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Montag, 24. März 2014, 13:46

Frankreich wählt rechts

Wieder einmal ist eine Wahl mit Erfolg für weit rechts ausgegangen. Die Sozis wurden abgestraft, weil sie nix auf die Kette kriegen, die Konservativen, weil sie dumme Skandale produzieren. Aber warum geht es zumeist nach rechts von rechts, wenn Bürger protestwählen? Sind die Menschen während Wirtschaftskrisen rassistischer oder springen sie einfach auf die Programme der Parteien an, die oftmals ziemlich auf Anti-EU gebürstet sind und der rassistische Aspekt solcher Parteien wird übersehen? Vielleicht gibt es auch eine Sehnsucht nach Nation, gleichzusetzen mit Familie, in einer globalisierten, schnellebigen Welt? Hat jemand eine Idee?

2

Montag, 24. März 2014, 14:29

"Rassistischer Aspekt"?

Noch um 13.37 Uhr hast Du auf meine Empfehlung für Akif Pirinccis Deutschland von Sinnen "Das Buch will ich haben" geschrieben. Keine 10 Minuten später konstatierst Du "Rassismus", da eine Wahl mit einem Erfolg für "Rechts" ausgegangen ist?


Seien wir mal ehrlich: wortwörtlich die gleiche Lesung durch einen gewissen Thilo Sarrazin würde doch wohl die Gutmenschengilde auf die Barrikaden treiben. Pirincci dagegen ist "Türke" - der darf das. Hat er, wenn vielleicht auch nicht Recht, so dann doch immerhin die Realität unserer Zeit treffend beschrieben? Was wäre wohl geschehen, hätte ich kleiner Depp den Inhalt dieser Zeilen bei den "Stadtmenschen" veröffentlichen wollen? :thumbsup: :thumbsup:


Ja, ich schreibe hier von deutschen Befindlichkeiten, und die Wahl war doch in Frankreich. Hingegen: der Protest ist sehr deutsch. Und ich habe bislang nichts wirklich Konkretes gefunden, was in ähnlicher Weise als französische Reaktion auf die Wahl zu betrachten wäre. Einmal mehr soll wohl die Welt am deutschen Wesen genesen.


Trotzdem: ich kann (mich) nicht frei sprechen (die Klammern um mich habe ich, nebenbei bemerkt, im Nachhinein eingefügt, da mir die nette Doppeldeutigkeit erst nach dem Tippen eingängig wurde). Ich bin ebenso Teil dieser Gesellschaft, dass ich meine Wortwahl oftmals und ungewollt "anpasse" - so tief sitzen mittlerweile selbst die Folgen der Denkstrukturen, die mir doch selber zuwider sind.


So, lieber Klaus: wo ist nun der "Rassismus"? Da, wo "Rechts" ist? Pirincci ist gewiss nicht "rechts" - ergo ist er nicht rassistisch, sehr wohl aber jemand, der nicht "Türke" ist, aber das Gleiche sagt? In der laufenden Diskussion um ein neues Einwanderungsrecht wird sehr gern Kanada genannt. Von diesem Land ist mir nicht bekannt, dass es als "rechts" oder "rassistisch" verschrieen wäre. Seltsam, finde ich - schottet es sich doch gegen Einwanderer (Ausländer, Migranten oder was auch immer) komplett ab, wenn diese nicht recht scharf formulierte Voraussetzungen erfüllen. "Rassistisch" oder "rechts" ist bei uns hingegen per se jede Gruppierung, die ein solches Recht auch für die Bundesrepublik fordert.


Haben wir uns nicht alle schon eine etwas schizophrene Grundeinstellung zu Eigen gemacht? ?(
Falls Sie hier die Flöhe husten hören:
es könnten Ihre eigenen sein! :D

3

Montag, 24. März 2014, 14:46

Haben wir uns nicht alle schon eine etwas schizophrene Grundeinstellung zu Eigen gemacht? ?(

Das hast Du wohl Recht und ich danke dir, für dein aufmerksames Lesen. Ja, rechts von rechts ist wohl auch bei mir synonym mit rassistisch. Dabei gibt es auch bei links von links Rassisten. Ja, man ist da so drin, in dieser Denke, hat es schon quasi mit der Muttermilch aufgesogen. Da bin ich leider keine Ausnahme. Aber ich werde daran arbeiten.

Wie sieht es denn aus um die Partei von Le Pen - die haben wohl irgendwo spontan den Bürgermeisterposten bekommen. Ist diese Partei rassistisch ausgelegt? Mein Französisch taugt nicht, um deren Wahlprogramm zu übersetzen und bei Wiki ist so ziemlich alles Nazi, was vom Mainstream abweicht. :rolleyes:

4

Montag, 24. März 2014, 15:54

Mein Französisch taugt nicht
Welches Französisch? ;(


Keine Ahnung, was das Wahlprogramm Le Pens aussagt. Und ganz eindeutig: mir ist das auch schnurz und piepe. Ich kann diese Partei eh nicht wählen, und was andere Länder wählen, ist auch deren Sache (ja, ja, ich weiß: auch das ist gegen den Mainstream. Die Sche..e vor der Tür des Nachbarn anmeckern, aber den Dreck des eigenen Köters in der Wohnung liegen lassen, am Ende selber noch einen daneben setzen, ist schließlich gängige deutsche bzw. EU-"Politik").


Ich habe ganz grundsätzlich ein Problem mit den Rechts-Klinks-Klassifizierungen. Die NPD ist "rechts", sagt man ihr doch eine Verherrlichung des NS-Gedankenguts nach, oder? Na, dann werfen wir doch mal einen Blick auf das "25-Punkte-Programm" der NSdAP. Schmeiß den ganzen antisemitischen Rotz mal da raus - und was bleibt, ist doch ein fast reinrassig "linkes" Programm. 8|


Wieso haben aber unter den von Dir richtig beschriebenen Umständen des Versagens der etablierten Parteien die "Rechten" den eigentlichen Vorteil? Lass mal das ganze Programmgehabe (was von dieser parteiinternen Selbstbefriedigung wird später tatsächlich noch umgesetzt, zumal in einer großen Koalition?) beiseite und betrachte einfach mal die Mechanismen, derer man sich bedient. Ein Teil meiner Lehrer auf dem Gymnasium waren noch (z. T. versehrte) Kriegsteilnehmer, die "Mittellalten" hatten NS-Zeit und Krieg als Kinder oder Jugendliche mit erlebt. Heute konstatiert man dieser Generation pauschal "Verdrängung" oder so was - aber es sind diese Menschen, die meiner Klasse und mir noch auf den Weg gegeben haben, dass wir die Mechanismen, die Handlungsschemata von Politikern, Parteien und Interessengruppen im Auge halten sollen, um eine Wiederholung dieser Zeit zu verhindern. Von Links oder Rechts war dabei gar keine Rede. Und wenn wir uns heute ansehen, wie die veröffentlichte Meinung und der politische Mainstream für jedem Menschen mit offenen Augen in krassem Gegensatz zur Realität stehen, wie sie ihre ganz eigene Wahrheit aber anbringen - da bleibt nur der traurige Schluss, dass man schon so weit links steht, dass man rechts wieder raus kommt.
Falls Sie hier die Flöhe husten hören:
es könnten Ihre eigenen sein! :D

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Turm 61« (24. März 2014, 16:34)


5

Montag, 24. März 2014, 21:55

und was andere Länder wählen, ist auch deren Sache

Allerdings! Und wir helfen immer doofergeben tüchtig mit, wenn wieder ein Land zwangs"demokratisiert" wird. Das hat schon Parallelenn zur Inquisition. Darauf zu schimpfen wird in naher Zukunft wohlmöglich als Blasphemie streng bestraft. :huh:

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