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Sonntag, 14. Januar 2018, 07:19

Die Sängerin

(von Heinz Erhardt)
Reihen, Stühle, braune, harte, Eintritt gegen Eintrittskarte. Damen viel, vom Puder blasse, und Programme an der Kasse. Einer drückt: die erste Glocke,Sängerin rückt an der Locke. Leute strömen, manche kenn' ich. Garderobe zwanzig Pfennig. Wieder drückt man: zweite Glocke, der Begleiter glättet Socke. Kritiker erscheint und setzt sich; einer stolpert und verletzt sich. Sängerin macht mi-mi-mi, Impresario tröstet sie.



Dritte Glocke, schrill und herrisch; sie erscheint, man klatscht wie närrisch. Einer reicht ihr zwei Buketts, Dankbarkeit für Freibilletts, und sie zuckt leis mit den Lippen, beugt sich vor, als wollt' sie kippen, nickt, der Pianist macht Töne. Sängerin zeigt weiße Zähne. Oeffnet zögernd dann den Mund, erst oval, allmählich rund.



Und - mit Hilfe ihrer Lungen hat sie hoch und laut gesungen. Sie sang Schumann, Kreuder, Brahms, der Beginn war acht Uhr ahms. Und um elf geht man dann bebend, aber froh, daß man noch lebend heimwärts. Legt sich müde nieder. Morgen singt die Dame wieder.

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