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Montag, 20. Oktober 2014, 09:30

Plädoyer für Carl Gustav

Rio Reiser schrieb in den achtziger Jahren einen Rocksong, in dem er sich Gedanken darüber machte, was er täte, wenn er König von Deutschland wäre. Seine zukunftsweisenden Ratschläge, etwa bei der Bundeswehr Hitparaden durchzuführen oder im Fernsehen lediglich Robert Lemke zu senden, wurden nie umgesetzt.

Aber bereitet es wirklich so viel Vergnügen, König zu sein? Wenden wir uns einem Vertreter dieser Spezies zu, der in den letzten Jahren schon Kritik einstecken musste: Carl Gustav, König von Schweden seit 1973. Als er zwei Jahre auf dem Thron saß, beschloss das schwedische Parlament eine Verfassungsreform, die den Monarchen endgültig zum Frühstücksdirektor degradierte.

Das war wohl auch ganz im Sinne von Carl Gustav, der lieber schnelle Sportwagen fuhr und Elche jagte. Ein Jahr später heiratete er und gründete eine Familie, so dass der Fortbestand der Dynastie gesichert war; das ist die wichtigste Pflicht eines Monarchen. Noch heute ist er mit Leib und Seele Pfadfinder. Ob er Karl May liest, weiß ich nicht. Die Bücher sind ja so dick.

Die Boulevardpresse bekam ihre gewünschten Bilder, und da seine Gattin eine geborene Deutsche war, nahm auch die heimische Regenbogenpresse Anteil am Leben der Familie Bernadotte.

Doch nun hört man Erschreckendes: Carl Gustav soll zweifelhafte Nachtclubs besucht haben, das Staatsoberhaupt bewege sich in anrüchigen Kreisen. Und dann hatte er auch noch eine Geliebte.

Die Frage ist nur: Worin besteht der Skandal? Hat Osama bin Laden als Frau verkleidet auf dem Schoß des Königs gesessen und ihm Geheimnisse über die militärische Supermacht Schweden entlockt?

Wohl kaum. Vielleicht wollte Carl Gustav, der ohnehin nie durch besonders intellektuelle Neigungen hervorgetreten ist, einfach mal ein wenig Spaß haben. Vielleicht hatte er keine Lust mehr, sich das langweilige Geschwätz von Hofschranzen anzuhören, die ihn doch nicht ernst nehmen. Vielleicht hat ihn dieser merkwürdige Job, bei dem es noch nicht einmal eine Pensionsgrenze gibt, nie interessiert. Irgendwie ist es ja auch blöde, bei offiziellen Anlässen in einer Admiralsuniform herum zu laufen, obwohl jeder in der Flotte weiß, dass Gustav als normaler Mensch nie die Offiziersprüfung geschafft hätte.

Und vielleicht hat ihn dieses Popsternchen wirklich gemocht, sich nicht darüber aufgeregt, wenn er beim Sex mal Blähungen bekam oder sie haben einfach nur Comics gelesen, während Silvia ihm vor dem Einschlafen von ihrem neuesten Kinderhilfsprojekt berichtete – und sich dann umdrehte.

Dann wartete er eine Weile, stahl sich davon – und amüsierte sich.

Früher gab es Könige, die zu ihrem Vergnügen, auch „Ehre“ genannt, Kriege anfingen. Jetzt gibt es Prinzen, die Journalisten verprügeln. Da ist Carl-Gustav doch eine wunderbare Ausnahme.

Also gönnen wir ihm den Spaß, Silvia mindestens eine Revanche, und der Rest ist eine Privatangelegenheit der Familie Bernadotte.

berlin

Kaiser aller Tiere - gottähnlich

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2

Montag, 20. Oktober 2014, 09:37

Ob er Karl May liest, weiß ich nicht. Die Bücher sind ja so dick.

Dick? Da musst Du mal "Vom Winde verweht" lesen!



Nett geschrieben.

3

Sonntag, 26. Oktober 2014, 15:51

Nun, das mag wohl auch an seinem Erbgut liegen. Seinem Verwandten Graf Bernadotte (der von der Insel Mainau) hatten die Bodenseeschwaben aufgrund seiner Fortpflanzungsfreudigkeit, wenn ich mich recht erinnere, den Beinamen Graf Spermadotti verpasst.

4

Sonntag, 26. Oktober 2014, 15:54

Das wusste ich nicht. Da hat der Graf wohl die Zahl seiner 'Landeskinder' vermehrt.

Er muss aber auch ein guter Fotograf gewesen sein und rief 1961 den Wettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden" ins Leben.

Der Mann hatte eben viel Lebensenergie und wurde 95 Jahre alt.

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