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Thursday, April 2nd 2015, 5:29pm

Die Katastrophe, die „Hilfen“, die Wahrnehmung und der Einzelfall

Der Absturz der German-Wings-Maschine in Frankreich mit seinen ca. 150 Todesopfern stimmt
betroffen, nicht wahr? Eine nur zu menschliche Regung. Und ganz gewiss möchte
ich nicht unbedingt in der Haut der Bergungskräfte stecken, die an der
Absturzstelle nun menschliche Gewebereste zusammen klauben müssen. Manche
Berufe gehen an unserem Alltag vorbei und werden nur angesichts solcher
Ereignisse tatsächlich registriert. Ebenso menschlich verständlich, dass wir
diese Vorstellung im Alltag gern verdrängen.


Kommt es zu einer solchen Katastrophe, dann ergibt sich die „Katastrophe“ einerseits aus der
schieren Masse des damit verbundenen Leids. Schließlich und endlich werden in
Deutschland wohl täglich 150 Menschen, wenn nicht mehr, dahin scheiden, ohne
dass wir dies als „Katastrophe“ registrieren würden. Hier jedoch löscht ein
Ereignis 150 Leben von einer Sekunde auf die andere aus.


Andererseits sind hier Menschen betroffen, deren natürliche Lebensuhr noch nicht abgelaufen war.
150 Verstorbene bundesweit und täglich in hohem Alter (sagen wir mal 75 Jahre
und älter, ohne dabei jemandem zu nahe treten zu wollen), nehmen wir als
„normal“ hin. Unser Verständnis registriert dies einfach so, wenn auch ein
persönlicher Verlust naher Angehöriger damit verbunden ist.


Was die Medien aus dem Absturz gemacht haben (insbesondere unter Berücksichtigung des
wahrscheinlichen Hintergrunds), lasse ich hier lieber unkommentiert.


Katastrophen (ich nehme den Begriff hier einfach einmal auf) wie diese bringen aber nicht nur die
Medien zum Kochen. Auch eine gigantisch anmutende und uns im Alltag verborgene
Maschinerie gerät in Wallung. So stieß mir z. B. im Rahmen der ersten Berichte
immer wieder der „Notfallseelsorger“ auf.


Und an dieser Stelle bricht man die „Katastrophe“ mit 150 Opfern herunter auf 150 sehr individuell
ausgeprägte Einzelschicksale. Da warten Eltern am Flugschalter auf die Heimkehr
ihres Kindes, die junge Frau auf ihren Geliebten usw. usw. Und an Stelle der
Wiedersehensfreude, gepaart mit der Erwartung es späteren Austauschs der
Erlebnisse mit dem Reisenden erfolgt ein regelrechter Keulenschlag.


Dass man hier helfen möchte, betrachte ich nicht als grundsätzlich unangemessen. Aber steht ein
Notfallseelsorger auch bereit, wenn ein so schnödes Ereignis wie ein
Verkehrsunfall Ursache des plötzlichen Todes eines Angehörigen ist? Die
„Katastrophe“ im Hintergrund bewirkt eine völlig andere Wertstellung des
Einzelfalles.


An dieser Stelle schiebe ich eine sehr persönliche Erfahrung ein.

Wir schreiben den 3. Oktober 2004, ein angenehm warmer Sonntag. Feiertag obendrein, ein wenig Zeit,
sich mit der Familie zu befassen. Am Nachmittag klingelt das Telefon. Ein mir
unbekannter Arzt meldet sich, stellt sich vor, sagt mir, dass er von örtlichen
Sportplatz anrufe und bedauert mir mitteilen zu müssen, dass die Versuche,
meinen neun Jahre jüngeren Bruder wieder zu beleben, erfolglos geblieben sind.
Der aktive Fußballer ist nach dem Spiel in der Umkleidekabine im Beisein seiner
Mannschaftskameraden sterbend von der Bank gekippt.


So, was tun?
Autoschlüssel gepackt, meiner Frau nur ein kurzes „Ralph ist tot.“ zugeworfen
(ihren entgeisterten Blick habe ich wie auch vieles Folgende heute noch vor
Augen)und ab zum Sportplatz. Die Atmosphäre dort ist kaum zu beschreiben. Dafür
ist der Begriff „Grabesstimmung“ geschaffen worden.


Erwachsene Menschen, die heulend wir kleine Kinder herum gehen, andere stehen völlig apathisch herum
und schauen ins Leere. Einer meiner Cousins, 17 Jahre älter als ich und ein
gestandener Mann, mir stets ein Vorbild, fällt mit weinend in die Arme. Die
meisten anderen Anwesenden gehen mir erkennbar aus dem Weg. Im Raum angekommen,
finde ich den Leichnam meines Bruders auf dem Fliesen liegend, immer noch warm,
aber die abnehmende Körperwärme ist bereits spürbar. Der Arzt spricht mit mir;
eine Ursache konnte er nicht feststellen, ob mir irgendetwas bekannt sei. Auch
die Polizei ist vor Ort. Der plötzliche Tod eines 35jährigen könnte schließlich
eine gewaltsame Ursache haben, nicht wahr? Zu jener Zeit habe ich beruflich relativ
häufig mit der örtlichen Polizeiwache zu tun gehabt; wenigstens vom Angesicht
her kannte man sich. So bekam ich denn auch prompt das spontane „Ach du Scheiße
- Sie sind das??“ von einem der Beamten zu hören. Tja, auch daran erkannt man,
dass es eben einen Unterschied ausmacht, ob Angehörige von Person bekannt sind
oder nicht. Die Professionalität leidet. Kann man daraus einen Vorwurf zimmern?


Aber wieso war überhaupt ich es, der den fatalen Anruf erhielt? Mein Bruder war schließlich verheiratet.
Ja, aber er lebte in Scheidung; in der folgenden Woche wären die Papiere
unterzeichnet worden. Von der Mutter des Scheidungsgrundes hatte er sich bereits
wieder getrennt, der Trennungsgrund lief völlig aufgelöst und unansprechbar auf
dem Sportplatz herum. Die Eltern, auf die 80 zugehend? Nein, dann doch besser
den älteren Bruder ins Boot holen, das Gegenstück zu dem leichtlebigen Hallodri,
der mein Bruder zu Lebzeiten stets war.


Und natürlich ging das Spiel weiter. Die Noch-Ehefrau und jetzige Witwe musste informiert werden,
die Eltern, die Mutter des Scheidungsgrundes. Sollte ich zulassen, dass am
Sonntagnachmittag zwei Beamte in Uniform vor der Tür meiner Eltern standen, da
sich doch meine Mutter gerade von dem Herzinfarkt erholte, den sie ein halbes
Jahr zuvor erlitten hatte? Am Abend wurde sie noch ins Krankenhaus verfrachtet.
Den Bestatteter kontaktieren; letztlich der Anruf bei meinem Chef und bei einer
Kollegin, dass ich am Montagmorgen nicht pünktlich zur Arbeit erscheinen würde.


Am Montag neben den bei einem Todesfall üblichen Betätigungen die Absprache mit der Witwe, dass der
Leichnam obduziert werden sollte, dies im Interesse gerade der 2 Jahre alten
Tochter. Wer konnte schon wissen, wieso mein Bruder plötzlich tot umkippte?


Es stellte sich heraus, dass er an einer Herzwandverdickung litt, eine schmerz- und damit empfindungsfreie
Erkrankung, die aber u. U. sehr wohl auch Verwandte betreffen konnte. Immerhin ist man nun vorgewarnt.


Am nächsten Tage dann eine separate Trauerfeier in der Dorfkapelle, gewünscht und von mir organisiert
für die Sportkameraden, die sich die schlimmsten Vorwürfe machten, etwas versäumt,
unzureichend oder falsch erste Hilfe geleistet zu haben. Nein, diesen ca. 30
jungen Leuten musste ich am offenen Sarg erklären, dass das Obduktionsergebnis
sie in jeder Hinsicht entlastete: nach Aussage des obduzierenden Arztes hätte
der Kollaps auf einem OP-Tisch im Krankenhaus geschehen können und es sei
unwahrscheinlich, dass man selbst dort, wo doch alles nur Erdenklich greifbar
war, noch etwas hätte tun können. Mein Bruder war, salopp gesagt, bereits fünf
Jahre tot, aber niemand, ihn einbegriffen, hat das wahrnehmen können.


Hinzu kam die Vorbereitung der Trauerfreier, die Absprache mit der Pfarrerin, die Treffen und
Kapellenöffnungen mit der Witwe, der Kindesmutter und der Lebensgefährtin, die
Anlieferungen des Gärtners usw. usw., neben dem Üblichen halt auch der ganze
familiäre Pröll, der diesen Fall kennzeichnete.


Glaubt mir, ich habe ein tiefes Verständnis für die Angehörigen der Opfer des German-Wings-Absturzes.
Aber ein Notfallseelsorger o. ä.? Nein, irgendwie hat man die ganze Last auf
meinen Schultern abgeladen. Der stets ernsthafte ältere Bruder, Familienvater
und leitende Angestellte, der zudem ehrenamtlich gefühlten Heerscharen dahin
geschiedener Dorfbewohner die Grabreden gehalten hatte, erschien als „der
Richtige“. Und in der Rückschau betrachtet habe ich funktioniert, wie man dies
von mir erwartete. Aus (nicht mit mir geführten) Gesprächen während dieser Tage
habe ich oftmals ein „kalt wie eine Hundeschnauze“ oder Vergleichbares
aufgeschnappt. Ja, mag sein. Aber hätte man mich angesprochen, wäre ich als den
leichtlebigen Hallodri mit wenig Verantwortungsbewusstsein wahrgenommen, wie es
mein Bruder nun einmal war?


Und irgendwie ist an meiner Wahrnehmung zunächst vorbei gegangen, dass ich nun wieder „Einzelkind“
war, dass ich nie wieder, wie all die Jahre und Jahrzehnte zur Gewohnheit
geworden, die Scherbenhaufen meines Bruders würde hinwegkehren müssen. Dass mir
in diesen Tagen und Stunden ab und zu der Gedanke durch den Kopf ging, dass
Ralph sich selbst in er Stunde seines Todes treu blieb und mir den ganzen
Prassel auflud, ist eine bittere Ironie der Sache.


Aber „psychologische Hilfe“, ein Seelsorger oder etwas in dieser Art? Nein, auch diese Rollen musste
ich ausfüllen. Dankenswerterweise (und da ging es mir besser als heute den Hinterbliebenen
der Flugzeugkatastrophe) gab es, da ja keine „Katastrophe“ vorlag, auch keinen Medienrummel.


Ich war einfach nur dankbar für jede Minute der Ruhe, die auch mir etwas Zeit zu Besinnung gab. Ein
Zeitungsfritze, der mich hätte befragen wollen oder auch ein Berufsseelsorger, der
weder den Toten, den familiären Hintergrund und mich gekannt hätte, wäre wohl
Gefahr gelaufen, dass ich ihnen in einem Anfall von was auch immer an die Gurgel gegangen wäre.


Nun ja, eine längere Geschichte, die durch die penetrante mediale Aufarbeitung des Absturzes wieder
nach oben gespült wird. Ähnliches in 150 Einzelfällen, in das so undenkbar? Wenigstens
hatte ich das bescheidene Glück, noch den Leichnam vor Augen haben zu können.
Wie es um den Seelenfrieden Derer bestellt sein mag, die in einem zwangsläufig
geschlossenen Sarg nur ein paar unpersönliche Gewebereste eines Angehörigen
vermuten können, möchte ich mir nicht vorstellen.


Dass diese Menschen aber ebenfalls ihre Ruhe und Gelegenheit zur Besinnung haben sollten, ist für
mich unbestreitbar. Dies aber sind Überlegungen, die einer sensationsgierigen Meute
sowohl vor wie auch hinter den Bildschirmen heutzutage abgehen.


Hauptsache, die Quote stimmt.
Falls Sie hier die Flöhe husten hören:
es könnten Ihre eigenen sein! :D

2

Thursday, April 2nd 2015, 11:01pm

Ich bin ein komischer Kerl, immer muss ich denken, analysieren. Und ich habe ein lebhafte Phantasie. Wenn es den schon öfters erwähnten Gedankenrekorder gäbe, wäre mein Beitrag jetzt fertig. Weil ich nicht schlafen konnte, bin ich um 19.20 Uhr wieder aufgestanden und habe mit Deinem Beitrag angefangen. In meinem Gehirn ist meine Antwort fertig, jetzt muss ich sie nur noch mühsam – Buchstabe für Buchstabe – (Ein-Finger-System) eintippen.
Ich habe alle Rollen in dem Flugzeugabsturz durchgespielt. Alle!!! Die des Piloten, der auf dem Klo sitzt und plötzlich merkt, dass das Flugzeug in den Sinkflug geht. „Was ist denn da los?“ Hose hoch, raus, nachsehen. Als er gegen die Kabinentür klopft, ahnt er noch nichts. Dann merkt er was. Der erste Passagier fragt, was denn los sei. Keine Zeit für eine Antwort, er muss da rein, Schlimmeres verhindern, der Jungspund macht alles falsch. Warum macht das Arschloch nicht auf?
Ich habe alle Rollen durchgespielt, alle, auch des französischen und des Düsseldorfer Staatsanwaltes. Was weiß man? Was darf man sagen? Wie sagt man es? Die Rollen der Passagiere (die wissen noch nichts, ahnen aber was, technische Probleme), der Hinterbliebenen (jeden Tag ist alles anders, Angehörige sind immer beruhigt, wenn der Verstorbene friedlich eingeschlafen ist), der Reporter (die Story meines Lebens! Nur eine schlechte Nachricht ist eine gute Nachricht) , der Psychiater, der Lufthansa-Sprecher. Oh Gott, es geht um den Ruf der Firma. Nur keinen Fehler machen. Des Co-Piloten (Freundin futsch, Netzhaut löst sich ab, bald ist es mit der geliebten Fliegerei vorbei, Ich werde Penner). Ich verabscheue es, aber ich bin auch ein Gaffer.
Anfangs dachte ich, der Pilot säße am Steuer und wolle in Gefahr eine Notlandung (Bruchlandung) versuchen. In dem Gelände??? Aber das kannte er doch nicht. Aber jeder weiß, dass eine Landung in den ALPEN SCHWIERIG ist. Ich kenne auch die Rolle des Co-Piloten. „Klopf Du mal!“ - „Ich – der verkannte kleine Andreas – zeige es der Welt mal.“ Voll konzentriert starrt er auf die Berge, gleich ist es vorbei.“ Ihr (Freundin, Nachbarn, Lufthansa, Kollegen) werdet es bereuen. Meine Rache ist fürchterlich. Keiner sagt zu mir noch mal Tomate.
Auch Deine Rolle am 3.10. kenne ich.
Bei mir war es der 14.12.1962. Morgens waren meine Frau und ich mit dem Taxi ins Krankenhaus gefahren. Der Frauenarzt hatte immer verschoben. „wenn die Wehen nicht kommen, am 14. morgens um 8 Uhr im KK ...“ Zuerst in der Verwaltung die Aufnahme regeln. Ich wollte bleiben. Eine Zigarette nach der anderen. „Sie stören jetzt nur. Fahren Sie heim.“ Ich mit der Straßenbahn heim. Mittags rief ich im Krankenhaus an. Im Hintergrund „Ach, ist das der???“ - Dann „Sie sollen mal zum Doktor in die Praxis kommen.“ Ich informiere meinen Vater. Komisch, das Ganze. Dann gehe ich zu Dr. Müller auf dem Gürtel, Frauenarzt, im Wartezimmer nur Frauen, die starren mich an „Was tut ein Mann hier?“ Dann der Doktor. „Es tut mir leid. Ihre Frau hat eine Totgeburt erlitten. Das Kind hat sich an der Nabelschnur erwürgt. Ich informiere meinen Vater, den neuen Opa, fahre in das Krankenhaus. Meine Rosi liegt mit einer anderen Rosi im Zimmer, heult, ist verzweifelt, gibt sich die Schuld. Ich tröste, war noch nie in einer solchen Situation. „Wir kriegen ein neues Kind.“ Man zeigt mir in einem Plastikkarton im Keller die Leiche. Fäden, wie eingesponnen. Ich frage die Ärzte: „Was muss ich nun tun?“ Antwort: „Bei Standesamt melden. Dann entweder Beerdigung regeln oder Leiche der Uniklinik zu Versuchszwecken zur Verfügung stellen.“ Ich zum Pastor „Was tun?“ Der mosert nur, dass das kein katholisches Krankenhaus, richtige Beerdigung geht nicht, weil Kind nicht getauft, er kann nur am Grab ein Gebet sprechen.
Ich bespreche das zu Hause mit meinem Vater. Ich entscheide, dass die Leiche der Uni-Klinik zur Verfügung gestellt wird. Kein Grab, wo meine Frau immer hinpilgert. Der Pastor kommt, will meinen Vater allein sprechen. Ich warte nebenan. Dann mein Vater „Es war ein Fehler.“ Ich: “Es bleibt dabei. Katholisches Krankenhaus, wo man das Kind gerettet hätte und die Mutter draufgegangen wäre.“ Was soll ich ohne Frau mit einem Säugling? Beim Standesamt gibt es Schwierigkeiten, wieso heißt mein Sohn Claudia? Die Todesurkunde muss erneuert werden. Die andere, ältere Rosi kümmert sich rührend um meine Frau. Ich bin dem Krankenhaus dankbar, dass meine Frau nicht auf der Wöchnerinnenstation liegt. Feinfühlend.

Telefonseelsorge??? Gute Einrichtung. Man hört zu, zeigt Mitgefühl, kann vielleicht einen Rat geben. Ich war mal bei der katholischen Familienberatung. Auch eine Scheidung hat man nicht jeden Tag.

Ich steh immer unter Strom, tags, nachts, immer, jetzt. Soll ich was essen? TV gucken, Korrektur lesen. Ich kann mich nicht entscheiden. Ich muss mir die Nase putzen.

Ich spiele kurz Siedler, lese dann Korrektur. Jetzt erst mal nach nebenan, TV gucken.

Dallidalli geguckt. Kekse geknabbert.

Außerdem: Alle Leichen geborgen? Wohl kaum. Es gibt nur kaputte Leichen. Den konservengroßen Flugschreiber hat man noch nicht geborgen, aber alle Haare, Fingernägel??? In dem Geröll!


Notfallseelsorger helfen in allen Lebenslagen. Scheidungen, Schulversagen, unheilbare Krankheiten, finanzielle Schieflage.

3

Thursday, April 2nd 2015, 11:08pm

Nachtrag: Jetzt können die Angehörigen in einem Video sehen, wie ihr Kind den Tod erkannt hat.

Nächstes Jahr kommt der Amoklauf als Film in die Kinos.

4

Friday, April 3rd 2015, 7:02pm

Einen Seelsorger kann man sich aber organisieren. Wo und was so geht, wird leider nicht so dolle publiziert. Die Rettungskräfte oder die Polizei sollte auf solche Möglichkeiten hinweisen.

checkmate

Internet-Legastheniker

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5

Friday, April 3rd 2015, 7:15pm

Einfach bei Googgle Telefonseelsorge eingeben.

checkmate

Internet-Legastheniker

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6

Friday, April 3rd 2015, 9:37pm

widerwärtige Heuchelei(Thomas Rothschild)



Merkel/Gauck auf Dauer-Wahlkampf-Tour. Natürlich in tiefer Trauer.

Demnächst in diesem Theater: Neuer Foto-Termin "Merkel kondoliert erschüttert den Angehörigen"

7

Saturday, April 4th 2015, 9:54am

wie ist die Stimmung in Haltern?



Wuunderbar! Alle warten auf den Prinz.

checkmate

Internet-Legastheniker

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9

Tuesday, April 7th 2015, 1:26pm

Wieso glaubt Ihr eigentlich, dass ein "Seelsorger", dem die doch stets seher individuellen Umstände eines Todesfalls femd sein müssen, könne wirkliche (!) Abhilfe schaffen? Abhilfe, wovon, wie, für wen?

Mich beschleicht da mehr das Empfinden, dass unsere Vollkaskogesellschaft auch an solcher Stelle glaubt eingreifen zu müssen. Wie heißt es im von checkmate verlinkten Beitrag? "Verbalnebel'"? Nur zu wahr!

Klar, ich kann hier nur für mich sprechen. Aber wenn ich mir vorstelle, dass seinerzeit, beim Tod meines Bruders, eine wildfremde Person ohne jegliche Kenntnis der Hintergründe in das emotional aufgeheizte Minenfeld sehr persönlicher Befindlichkeiten einer in Scheidung lebenden Witwe, einer sitzen gelassenen Mutter und einer aufgelösten Freundin (nebst Eltern, die zu den Damen sehr entschiedene Meinungen vertraten) hinein gelatscht wäre - du lieber Himmel, das hätte glatt noch Mord und Totschlag gesetzt.

Eine unschätzbare Stütze war die Pfarrerin unserer Kirchengemeinde. Sie, die das Entstehen dieses heillosen Chaos im Laufe von über 15 Jahren hatte verfolgen können/müssen, hielt sich in diesem aufgeladenen Umfeld zurück, hielt jedoch im aufgelösten Hühnerhaufen die Stellung wie ein Fels in der Brandung. Meinen Eltern war sie eine wirkliche Hilfe. Und ich habe noch deutlich vor Augen, wie etwa zweieinhalb Stunden nach Erhalt der Nachricht und nachdem alle ersten Schritte in die Wege geleitet waren, ein klein wenig Ruhe einkehrte. Ich hielt mich etwas abseits der Meute, am Geländer des Sportplatzes auf. Die Pfarrerin hatte mich erspäht und stellte sich neben mich. Ihr spitzbübisches Schmunzeln in diesem Augenblick wird kein Außenstehender nachvollziehen können und bei jeder anderen Person wäre es absolut unpassend gewesen. Wie Beide aber, die wir in all den Jahren in unsreen jeweiligen Funktionen so manche gemeinsame Schlacht geschlagen hatten, bedurften keine großen Worte: wieder einmal hatte die Sippe zugeschlagen, wieder einmal bekam ich den (Un-)Segen aufs Haupt. Sie kannte das, und sie wusste auch, dass ich das irgendwie managen würde.

In diesem Augenblick ein Quacksalber, der mich von der Seite mit irgendwelchen Allgemeinplätzen zugequatscht hätte? Wir haben etwa 5-10 Minuten schweigend in den mittlerweile dunkeln Abendhimmel geschaut. In all der Hektik, die mit dem Ereignis einher ging, habe ich diese kurze Zeitspanne als das Beruhigendste (wenn man das so sagen kann) empfunden, was diese Tage prägte. Und kurz darauf ging das Theater von Neuem los, als dann so langsam auch der Letzte mitbekam, was geschehen war und Näheres wissen wollte.

Nun muss nicht jeder Todesfall mit einem solch komplizierten Privatleben geschlagen sein, aber im Grunde sind in jedem Fall Angehörige betroffen, die eine sehr eigene Persönlichkeit haben, deren Blick auf den Verstorbenen ebenso durch sehr eigene Erinnerungen geprägt ist. Wer, wenn nicht aus dem näheren Umfeld kommend, kann dies schon überblicken, kann darauf eingehen oder es u. U. auch ganz lassen?

Ein "Notfallseelsorger"? Ja, ein guter Freund, ein Bekannter ist in mancherlei Hinsicht tatsächlich hilfreich. Aber was kann eine wildfremde Labertasche wirklich und wahrhaftig bewirken? Reicht (wie bei Katastrophen wie dem GermanWings-Absturz) nicht schon das Dummgeseiche unserer "Politik"darsteller?

Letztlich bleibt der Betroffene doch allein.
Falls Sie hier die Flöhe husten hören:
es könnten Ihre eigenen sein! :D

checkmate

Internet-Legastheniker

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10

Tuesday, April 7th 2015, 4:27pm

Bin im Stress, will - soll - muss 10 Dinge gleichzeitig tun. Morgen Hausärztin (Routine), Mails. andere Foren, Nachrichten usw.

@ Turm

Von Hilfen hältst Du wohl nicht viel, ich denke an Weißen Kreis.

Ich hole gern Rat ein. Heute meine Haushälterin.

Profis haben - im Gegensatz zu Freunden - Erfahrung, meistens steht eine Organisation dahinter.

Abnehmen kann den Angehörigen das Leid keiner, aber lindern.

Ich überlege, ob ich mich als Telefon- oder Mail-Partner anbieten soll. Manche wollen nur mal quatschen. Zeit habe ich massig. Es gibt Musikgruppen oder Freiwillige, die arbeiten in Altenheimen (Grüne Engel). Ich finde das gut. Ich war auch im Dienst die Mutter der Kompanie.

Nur zur Sicherheit: ich suche keine neue Partnerin.

11

Tuesday, April 7th 2015, 5:11pm

Von Hilfen hältst Du wohl nicht viel
Falsch, checkmate. Wenn es denn wirklich "Hilfe" ist. Die "Erfahrung" von "Profis" in Ehren - aber die Kenntnis des individuellen Sachverhalts, die Beobachtung einer sich über Jahre hinweg ziehenden Entwicklung, die in diesem Falle in drei am Grab heulenden Frauen, die sich gegenseitig die Pest an den Hals wünschten (und denen ich zuvor einzeln Zugang zum Sarg in der Kapelle zu verschaffen die zweifelhafte Ehre hatte) ihren Höhepunkt fand, ist mit keiner professionellen Erfahrung dieser Welt auszugleichen. Die "Profis" können auch kaum mehr als Allgemeinplätze vom Stapel lassen. Die Pfarrerin wusste um die Umstände. Und wie sie mit wem umzugehen hatte. Selbst dabei gab es die eine oder andere Reiberei. Ihr Vorgänger hätte irgendwas von Gottes unergründlichem Willen oder Ähnliches zum Besten gegeben. Na, das wäre ein Spaß geworden!

In meinem Fall hätte ich den Seelsorger erst einmal darauf einschießen müssen, wer mit wem und wem nicht usw. DAS wäre es noch gewesen, oder? Drei Furien, die jede für sich oder am Ende gemeinsam eine arme Sau rund machen, die helfen will und gar nicht mitkriegt, in welches Wespennest sie sticht? Und bitte: wenn ich erst einen Seelsorger vergattern muss - wo ist da die "Hilfe"?

Mahlzeit!
:rose:
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12

Tuesday, April 7th 2015, 5:12pm

Ich bin 1976 aus der katholischen Kirche ausgetreten, aber nur aus finanziellen Gründen. Ich war plötzlich steuerlich ledig, ohne Kinder und auch Ortszuschlag für Ledige ohne Kinder. Für Witwen, Ledige über 40 gab es dank Hänschen Apel mehr, nur für mich nicht. Ich bin mit Gewerkschaftsunterstützung zweimal vors Bundesverfassungsgericht gezogen, zweimal verloren.

Das soziale Engagement der Kirche (Kindergärten, Schulen, Krankenhäuser, Eheberatung) hat mir immer gefallen, ich habe oft (regelmäßig) gespendet.

checkmate

Internet-Legastheniker

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13

Tuesday, April 7th 2015, 8:08pm

Mit dem Thema beschäftigt sich auch die neue Ausgabe des SPIEGEL.

"Sind wir auch als Kranke verantwortlich für unsere Taten?"

Ich provoziere mal.

Angenommen, nur mal angenommen, Lubitz hätte sich in letzter Sekunde noch mit dem Schleudersitz gerettet und käme vor Gericht; ich glaube nicht, dass er verurteilt würde. Psychische Erkrankungen sind nicht messbar. Da urteilen Psychiater nach "Gefühl".

Gutachten - Gegengutachten. Und zum Schluss kommt "nicht schuldfähig" raus. So weit sind wir doch heute schon. Warum eiern alle Experten rum?

Spiegel: "Die Welt wird in den nächsten Tagen mehr erfahren. Und doch damit leben müssen, dass die Ermittlungen, die Durchsuchungen, Befragungen, Auswertungen nie zu einer sicheren Erkenntnis darüber führen werden, was im Kopf von Andreas Lubitz vorging."

Was sagte 2014 der Oberarzt im Ev. Krankenhaus Weyertal, als er mir das Rauchen abgewöhnen wollte, mir aber alle Hilfen verweigerte? "Das muss im Kopf passieren" und schickte mich zum Psychiater.

Natürlich war ich auffällig. Ich wollte unbedingt nach Hause, und sagte das immer wieder. Ich sage das immer.

14

Wednesday, April 8th 2015, 4:29pm

@ Turm

15

Wednesday, April 8th 2015, 4:36pm

@ Turm

Denk mal an die Babyklappen und die
Schwangerenberatung. Das sind auch Profis, die ihre Kunden nicht kennen.

16

Wednesday, April 8th 2015, 6:18pm

Die Babyklappe ist ein Profi?? :wipe:

Wenn es sich um solche "Profis" wie meine Ex-Nachbarn handelt (kidnereloses Lehrerehepaar mit ausgeprägtem Urlaubs- und Reisedrang), kann die Menschheit darauf gut verzichten. Ich durfte mir (als allein verdiendender Familienvater, der 5 hunrige Mäuler zu stopen hatte) oft genug anhören, dass wir "den Kindern ja gar nichts bieten".

Und prompt entschwanden sie in den nächsten Urlaub.

Mal ganz konkret, checkmate: was erwartest Du von einer Schwangerenberatung?

Das Kind liegt im Brunnen. Der Bockmist ist bereits vorher geschehen. Die Ausprägungen sehe ich im beruflichen Alltag immer und immer wieder: da melden sich "allein erziehende" Mütter mit 2, 3 oder mehr Kindern und suchen eine Wohnung. Beherrschung der Muttersprache sowie Rechtschreibung höchst zweifelhaft, "ARGE zahlt alles!" Keine Arbeit, am Ende Väter (Mehrzahl, wohlgemerkt!) unbekannt. Bei verantwortungsvoll herüber kommenden jungen Paaren wie auch im Bekanntenkreis stelle ich hingegen fest, dass diese sich Gedanken machen, wie sie überhaupt ein Kind groß ziehen wollen bzw. können.

Seltsam. Als "Schwangerenberatung" noch ein Fremdwort war, schien Verhütung irgendwie besser zu funktionieren. Heute berät sich die Republik einen Wolf. Aber irgendwie sehe ich keinen rechten Erfolg.
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checkmate

Internet-Legastheniker

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17

Wednesday, April 8th 2015, 7:49pm

Die Babyklappe ist ein Profi??


Ja, dahinter stehen Mediziner, Schwestern, das Jugendamt.

Ich finde die Babyklappe auch nicht gut, aber besser als Abtreibung, Tötung oder Aussetzung.

Ich sagte schon mal, ändern können die Profis nichts mehr, aber die Folgen mildern.

Meine Nachbarin ist am 18.3. stolze Mutter geworden. Verheiratet ist sie noch nicht, aber ich nehme an, dass das noch kommt. Bianca hat auch hochschwanger geheiratet.

Es gibt aber auch Fälle, wo sich der Erzeuger rechtzeitig dünne macht. Und dann? Dann steht das junge Ding da.

Meine Frau war auch am ersten Tag mit dem Baby in der Wohnung mit den Nerven fertig. Ich machte es mir einfach, holte eine Nachbarin zur Hilfe.

Ich kann die jungen Dinger gut verstehen, von den Eltern und den "Freunden" nur Vorwürfe "Konntest du nicht aufpassen?" Und bei der Babyklappe weiß das Mädchen, dass das Baby überlebt.

Zur Schwangerenberatung kann ich nichts sagen - weil ich noch nicht schwanger war. Nur mit der Tabaksteuer habe ich dafür geblutet.

Ich war mal mit einer Amerikanerin befreundet. Die hat die farbige Vicky (ehelich, aber Vater Afrikaner), als sie 8 war, zur Adoption freigegeben. Die gleiche Wellenlänge.

Ich hätte das Mädchen geheiratet, das gehörte sich damals so. Aber weil sich das gehörte, habe ich höllisch aufgepasst, bzw. im Zweifelsfall ganz unterlassen.

Ich bin verklemmt erzogen worden. Mein Vater hatte gesagt: "Mach dir vill Freud, aber komm mir bloß nicht mit nem unehelichen Kind an." So bin ich unschuldig in die Ehe gegangen. Das war auch nicht richtig.

This post has been edited 2 times, last edit by "checkmate" (Apr 8th 2015, 9:41pm)


18

Wednesday, April 8th 2015, 10:00pm

Als "Schwangerenberatung" noch ein Fremdwort war, schien Verhütung irgendwie besser zu funktionieren.

Ich glaube nicht, dass die Schwangerenberatung Einfluss auf die Zahl der Kinder hat. "Malörchen" gab es immer, schon um 1900.



In der Spaß-Phase will keiner ein Kind. Ich habe erst nach der Hochzeit am "ersten Kind gearbeitet." Aber trotz aller Vorsicht passiert es manchmal.

Ander Leuts Kinner immer, nix. -
Uns Mary einmol, dä!

Jetzt sind meine Enkel in dem Alter.

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