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Samstag, 2. Mai 2015, 12:10

Besuch

by Katrin - musikhai
Letztens hatten wir im Speisesaal das Thema 'Besuch'. Ein Thema, das nachdenklich stimmte.

Bewohner, die schon länger im Heim wohnen, erzählen traurig: "Als ich einzog, da hatte ich viel Besuch. Jede Woche einmal, manchmal auch mehrmals, besuchten mich meine Verwandten. Nachbarn und Freunde kamen und wollten sehen, wo und wie meine neue Bleibe ist. Teilweise wurde es sogar ZU viel. ;) Dann wurden aus den wöchentlichen Besuchen monatliche, dann Aufwartungen nur noch vierteljährlich, nach einigen Jahren nur noch Einladungen zu Weihnachten und Geburtstag."

Hat einer keine eigenen Kinder, hören auch die Einladungen irgendwann auf. Denn die Freunde sind auch alt und dann irgendwann gestorben.

Auch ich, die ich jetzt mittlerweile schon ein Jahr und neun Monate im Heim wohne, bemerke, dass zumindest die Besuche von Nachbarn, dann Freunden nachlassen. :-/

Wie anders ist es da doch noch bei U., die ja erst vor wenigen Wochen hier eingezogen ist. Gut, da gibt es noch viel zu erledigen, zu regeln, Anfangshürden zu überwinden.

Wie wird das wohl, wenn wir mal alt sind? U. hat einen Sohn, zu dem sie aber schon lange keinen Kontakt mehr hat. Ich war nie verheiratet, habe keine Kinder. Wenn meine Eltern irgendwann mal nicht mehr sind, habe ich nur noch meine Schwester und meinen Neffen und Schwager. Eventuell meine Cousine. Meine Tante ist dann eher auch nicht mehr da. Hm... Das macht nachdenklich... bedrückt... Gut, dass man nicht weiß, was die Zukunft bringt!

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Sonntag, 7. Juni 2015, 14:35

das tröstet mich auch nicht

Ich hätte nix dagegen, wie 25 auszusehen, ohne Rücken und Herz, aktiv Basketball zu spielen und mit festem Einkommen zu poussieren.

Mit 25 hatte ich die Ausbildung abgeschlossen und hatte beim Fernmeldezeugamt eine 6-Tage-Woche mit 48 Stunden.

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Sonntag, 7. Juni 2015, 16:13

Sinn des Lebens

das Wort zum Sonntag oder tiefschürfende Gedanken

Das Leben ist kurz und beschissen.

Kurz im Vergleich zu den Jahrtausenden vor mir und zu der Ewigkeit nach mir.

Nicht beschissen im Vergleich zum Mittelalter und zu den Flüchtlingen und solchen, die die Flucht noch vor sich haben.

Deshalb sind die Religionen wichtig, sie geben uns Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod. Wiedergeburt, ewige Jagdgründe, Himmel, Paradies mit 10.000 Jungfrauen.

berlin

Kaiser aller Tiere - gottähnlich

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Mittwoch, 10. Juni 2015, 11:06

Demente

Also, dass sich ausgerechnet die schwerbehinderte Katrin über Demente im Altenheim beschwert, das ärgert mich. Sie schlürfen, sabbern, furzen und kommen unordentlich angezogen in den Speisesaal. Na so was!

Demente sind de ment - ohne Geist. Sie dürfen sogar ins Bett machen - groß und klein. Von einer selbst Behinderten sollte man mehr Toleranz erwarten.

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Freitag, 12. Juni 2015, 12:04

Katrin - musikhai veröffentlichte:"Wenn ein Mensch in ein Pflegeheim geht / gehen muss, um dort zu leben, befindet er sich in einer Ausnahmesituation. Das heißt, dass er zu Hause nicht mehr alleine zu Recht kommt, Hilfe, Pflege benötigt. Er muss sein bisheriges Leben zurück lassen. Das gi" Antworte auf diesen Beitrag indem Du über dieser Zeile antwortest

Meine Erlebnisse im Altenheim

Angehörige


Wenn ein Mensch in ein Pflegeheim geht / gehen muss, um dort zu leben, befindet er sich in einer Ausnahmesituation. Das heißt, dass er zu Hause nicht mehr alleine zu Recht kommt, Hilfe, Pflege benötigt. Er muss sein bisheriges Leben zurück lassen.

Das gilt sowohl für Menschen am Ende ihres Lebens, als auch für Menschen, die wegen einer Krankheit diesen Schritt tun müssen. Es ist ein Schritt, den sich keiner wirklich für sich selber vorgestellt hat.

Der alte Mensch will würdevoll in den eigenen vier Wänden seinen Lebensweg beenden, im Kreise seiner Familie.

Der junge Mensch stellt sich nicht vor, dass er abrupt aus dem Alltag gerissen werden kann und dann in einer Pflegeeinrichtung landen kann.

Vielleicht ist es gut so, dass man sich die Zukunft nicht in den dunkelsten Farben ausmalt. Sollte es dann aber doch einmal so sein, dass man Hilfe, Pflege benötigt, dann ist es gut, wenn man in einem Land lebt, dass nach sozialen Vorstellungen für die Schwachen sorgt.

„Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat.“
– Grundgesetz: Art. 20 Abs. 1 GG

Aber mindestens ebenso wichtig ist das menschliche, soziale Umfeld der Angehörigen.

Ich stelle immer wieder fest, dass der Besuch von Familie, Freunden, Bekannten für die Bewohner sehr wichtig ist. Deren Hilfe kann gar nicht hoch genug geschätzt werden! Sie können nicht nur praktische Hilfe leisten, Besorgungen für die Bewohner erledigen. Unschätzbar ist auch ihre menschliche Zuwendung, das 'offene Ohr'. Dadurch geben sie dem Bewohner Halt.

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Dienstag, 26. Januar 2016, 17:50

Ich habe eine nette Dame gefunden, Bärbel heißt sie, die stundenweise zu Vaddi gehen will, um sich seine Geschichten anzuhören, die ich nun explizit schon kenne. Für Geld natürlich. Ich will sie demnächst Vaddi als eine Freundin von mir vorstellen. Er soll ja nicht merken, dass das Ganze arrangiert ist. Dadurch kann ich auch ab und zu bei ihm sauber machen, was ganz schön nötig ist.



Im November ist mir Vaddi ziemlich auf den Nerv gegangen. Ich kann diese dunkle Zeit auch nicht gut vertragen, auch Claus leidet und außerdem sind alle möglichen Leute auf meiner Arbeitsstelle krank, sodass man immer wieder gerne uns Teilzeitkräfte heranzieht. Kurz gesagt, ich musste mehr arbeiten, sprich, ich habe weniger Zeit für Claus und die Eltern.

Ende November, ich konnte bei der Arbeit etwas früher gehen als normal, war das Wetter schön. Ich will heute erst zu Vaddi, aber er erzählt mal wieder die Geschichte von vor einem halben Jahr, als Muddi was auch immer gemacht hatte. Am liebsten hätte ich ihn angeschrien: „Lass mich doch mit eurem Kram in Ruhe, geh mir nicht auf die Nerven, du kotzt mich an! Du und Muddi, verdammt noch mal!!!“

Hab ich aber nicht gemacht! Nicht mal Ansatzweise! Gott sei Dank, denn heute würde ich bekloppt, hätte ich das gemacht. Aber stattdessen hab ich trotzdem nicht lange gefackelt. Kaum hatte er angefangen zu reden, herrschte ich ihn an: „Zieh dich an, was Warmes, wir müssen los!“

Er schaute mich ganz verdutzt an. „Wohin?“ fragte er. „Wirste schon sehen“ raunte ich ihn an. Ich hatte ja selber keine Ahnung.

Vielleicht ins Moor, ihn versenken? Von der Brücke stürzen? Ihn in den Rollstuhl setzen und einfach auf die stark befahrene Straße schieben? Oder so was ähnliches, ich wusste es nicht.

„ Nimm den Rollstuhl mit, den brauchen wir noch!“ Vaddi schob den Rollstuhl brav vor sich hin, bis zu meinem Auto. Ich klappte ihn zusammen und buxierte ihn in den Kofferraum. Er blieb dabei stehen und sah mir zu. Er sah bestimmt, dass ich etwas mehr Gewalt an den Rollstuhl anlegte. „Einsteigen“ sagte ich. „Anschnallen“.

Ich gab Gas, wütend wie ich war. „Jetzt mal halblang“ sagte meine innere Stimme. Ich fuhr also erst mal los. Dann fiel mir ein, dass ganz in der Nähe ja ein ganz toller Kanal ist. Direkt neben der Mühle. Da kann ich runterkommen, mich beruhigen.

Wir parkten also ein paar Minuten später schon wieder. Ich holte den Rollstuhl heraus und dann ließ ich Vaddi darin einsteigen. Er sagte gar nichts mehr. Und so schob ich Vaddi am Kanal entlang.

[img]https://alzheimertagebuch.files.wordpress.com/2015/12/landscape-598876_150.jpg?w=192&h=127[/img]

Es war herrlich! Vögel, Enten, alles tummelte sich am Wasser. Nach ein paar hundert Metern war keine Menschenseele mehr zu sehen. Ich war fasziniert von der Natur. So hatte Vaddi uns früher immer alles gezeigt. Ich war überhaupt nicht mehr wütend. Und auf Vaddi schon gar nicht! Verzeihung!

Während wir so gehen, sage ich Vaddi, wie toll es denn hier ist und ob er es auch so empfindet. Dabei muss ich mich zu ihm runterbeugen, damit ich in sein Ohr rufen kann.

Von dieser Sicht aus sehe ich, dass wir einige Kilometer zurückgelegt hatten, von denen nur ich etwas hatte. Denn, Vaddi saß ja in dem Rollstuhl und von seinem Kopf aus konnte man kein Wasser sehen, keine Vögel darauf, nichts. Nur den kleinen Deich. Er fuhr also nur an einer mäßig grünen Wiese vorbei, die den Berg hochgeht. Und pflichtet mir immer bei, egal was ich sagte. Ich habe ihm doch gar nicht wirklich gesagt, dass er mich ankotzt. Hat er das gespürt? Bestimmt hat er das.

Auf dem Weg gibt es eine Beobachtungsstation. Ich halte an und frage Vaddi, ob er sich zutraut, die Stufen da hochzugehen. „Klar“ sagt er und steht schon an der Treppe. Die Stufen bestehen aus Gittern, aber er stapft emsig dort hoch. Oben angekommen steht er mit dem Rücken ganz hinten, um sich abzustützen. Wie doof von mir, Vaddi hat ja Höhenangst. Er konnte das schon vor vielen Jahren nicht mehr, so auf einen Turm steigen. Ich Blödmann ich!

Irgendwie kommen wir da auch wieder runter, rückwärts die Treppe, wir kommen auch zurück und auf dem Parkplatz vor dem Heim sagt er, „Wir müssen jetzt aber schnell zu Muddi, bestimmt vermisst sie uns schon.“

Als ich heute vom Heim weggehe, nachdem ich am Fenster des Speisesaales vorbei war und gewunken habe, bin ich erst mal zur Brücke, die über den Bach geht. Ganz leise, eigentlich mehr nur innerlich, schreie ich! Und dann kommen Tränen, wie sie schon lange nicht mehr flossen. Ich konnte sie nicht aufhalten.

7

Dienstag, 26. Januar 2016, 20:37

hallo Katrin,

freue mich, dass du wieder schreibst. Dachte du bist schwer krank und musst ne Chemotherapie über dich ergehen lassen ?

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Dienstag, 26. Januar 2016, 20:45

Berlin: Paradies mit 10.000 Jungfrauen.


Das ist doch nicht paradiesisch, sich mit 10.000 Jungfrauen abzuquälen? DAS ist die Hölle !!! :thumbdown: :P

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Verwendete Tags

Besuche, einsam, nachlassend

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