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Donnerstag, 17. September 2015, 14:52

Abschied & Ankunft

Ich komme soeben von einer Beisetzung zurück. Der Vermieter meines Büros ist verstorben, und zusammen mit meinem Sohn habe ich diesen netten Menschen auf seinem letzten Weg begleitet.

Der Rückweg vom Friedhof hat bei uns Beiden ein seltsames Empfinden ausgelöst. Ich selbst lebe seit nunmehr 7 Jahren in Köln, mein Sohn ist vor 3 Jahren nachgezogen. Zu meinen Zeiten in der alten Heimat habe ich - nicht zuletzt auch wegen meiner Vorstandstätigkeit - so vielen Beisetzungen beigewohnt, dass dies in der Rückschau beinahe wie "am Fließband" erscheinen will. Auf dem Dorf kennt man sich; kaum ein Mitbewohner verstirbt, ohne dass man daran nicht teilnähme.

Hier, in der Großstadt, sieht das etwas anders aus. Man lebt im Großen und Ganzen anonymer. So war dies heute die erste Beisetzung, an der ich in Köln teilgenommen habe. Der Mann, mit dem zusammen ich vor fast 5 Jahren die Umgestaltung eines leer stehenden Ladenlokals zum Büro für mein kleines Unternehmen besprochen und umgesetzt habe, liegt nun in seinem Grab.

Ist es nicht seltsam, dass sowohl meinen Sohn als auch mich jetzt das Gefühl beschlichen hat, nun tatsächlich hier angekommen zu sein?
Falls Sie hier die Flöhe husten hören:
es könnten Ihre eigenen sein! :D

2

Donnerstag, 17. September 2015, 18:47

Das ist wie bei den Flüchtlingen. So lange sie anonym sind, sind sie nur eine Zahl.

Täglich sterben Leute in Bamberg, München und Berlin. Mich kratzt es nicht. Wenn ich die Namen höre, wird es schon anders. Philipp Mißfelder (35), Dirk Bach, Udo Jürgens.

Wenn ich den Toten aber persönlich gekannt habe, wird es schlimm. Ein jüngerer Jugendfreund, eine, mit der ich mal poussiert habe, ein Hausbewohner, ein früherer Kollege.

Am schlimmsten sind Tote in der Familie. Meine Eltern, meine 1. Tochter (Totgeburt), meine Beinah-Schwiegermutter, meine Lebensgefährtin.

Je älter man wird, desto näher kommen die Einschläge. Man wird immer daran erinnert, dass man bald auch dran ist.

Mein Schwager, der inzwischen auch tot ist, hat mich mal gefragt: "Warum müssen wir sterben?" Meine Antwort "weil die Erde sonst übervölkert wäre", hat ihm nicht gefallen.

Meine Schwiegermutter, die im Altenheim lebte, hat vier- oder fünfmal eine neue Zimmergenossin bekommen.

Heute werden Beerdigungen auch fast anonym durchgeführt. Früher hat das Haus für einen Kranz gesammelt, Einzelne sind mitgegangen, Andere nicht. Sogar meine Tante hat sich vor der Beerdigung meines Vaters gedrückt. Als meine Halbschwester starb, bin ich mit meiner Lebensgefährtin nach Blumberg/Baden gefahren und habe an der Trauerfeier teilgenommen. Die Beisetzung der Urne fand später statt.

Meine Lebensgefährtin haben wir, (2 Töchter, 2 Lebensgefährten und ich) im kalten November 2009 im Friedwald bei Euskirchen unter einer dicken Eiche beigesetzt. Anschließend sind wir essen gegangen und haben wieder gelacht.

3

Freitag, 18. September 2015, 18:53

Gedanken über Anfang und Ende

Es hat ganz offensichtlich etwas mit dem Lebensalter zu tun. Jedenfalls kann ich mich nicht erinnern, dass ich mich in jungen Jahren mit meinem eigenen Tod beschäftigt hätte. Gedanken darüber haben sich erst im Lauf der Jahre eingestellt oder eben gesundheitsbedingt, als mir beispielsweise eine künstliche Herzklappe eingestellt wurde. „Vor meiner Geburt war ich doch auch nicht dabei, warum beunruhigt mich die künftige Abwesenheit so viel mehr?“, fragt Rüdiger Safranski in seinem jüngsten Buch ZEIT Was sie mit uns macht und was wir aus ihr machen und bringt damit das Dilemma ganz gut auf den Punkt. Aber es finden sich auch ausgesprochen tröstliche Worte, wenn man sie denn an sich heranlassen will: „Würden die Menschen es lernen, das Ende mit dem Anfang zu verbinden, würden sie sich also eingebettet fühlen können in den regenerativen Lebensprozess, dann würden sie ihr Sterben nicht mehr als Vernichtung ihres Lebens, sondern als Einkehr ins umfassende Leben verstehen können.“ Das sei viel verlangt, gibt Safranski zu, denn es setze voraus, von sich selbst absehen zu können und das Leben, bei dem man nicht mehr dabei ist, mit derselben Teilnahme anzusehen, wie wenn man dabei wäre. „Man müsste“, so der 70-jährige Philosoph, „innerlich an einer Zukunft teilnehmen können, die einen selbst ausschließt. Doch schließt sie einen wirklich aus? Nein, sie tut nichts dergleichen. Es kommt einem nur so vor, wenn man nicht aufhören kann, alles auf sich selbst als Mittelpunkt zu beziehen.“ Was soll ich sagen? Bis dahin, sich zu freuen, dass das Leben weiter geht, auch ohne einen, ist es für die meisten Menschen ganz sicherlich ein weiter Weg. Um ihn überhaupt zu beschreiten, kann Safranskis Buch durchaus ein Wegweiser sein. Wer mehr darüber lesen möchte, kann dies bei Opas Tests und Kritiken in der Rubrik Bücher tun.

http://opas-blog.de/opas-warentest/

4

Freitag, 18. September 2015, 22:25

Wenn Ältere sterben - wie jetzt Dettmar Cramer, dann ist das ok. Dann habe ich mit 81 ja noch 9 Jahre Zeit.

Das Blöde ist nur, Gevatter Tod hält sich an keine Regeln. Der kann mich auch morgen schon holen.

Meine Jugendliebe Hannelore Heimanns] starb schon mit 20.

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