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1

Donnerstag, 28. Januar 2016, 17:13

Siehst du den Hut dort auf der Stange ???


In Deutschlands Strassenverkehr ist es Vorschrift, bei Rot an der Kreuzung stehen zu bleiben, auch wenn weit und breit kein Fahrzeug in Sicht ist.
Das gilt Fussgängern als auch Fahrradfahrern.

Warum das in Deutschland so ist, kann ich nicht sagen. Ich kann nur bemerken, dass es tatsächlich dem Schillerschen Wilhelm Tell sehr nahe kommt.

"Ei Vater, sieh den Hut dort auf der Stange", so sagte der Sohn einst in Schillers "Wilhelm Tell" zu seinem Vater. Dieser aber ging achtlos daran vorüber.

Dieses Stange/Hut-Verhältnis sollte das Symbol der kaiserlichen Gewalt darstellen und damit Untergebenheit, egal wie demütigend sie für die Bevölkerung war, markieren.

Wer sich in Deutschland dieser Stange/Hut Vorschrift widersetzt, muss mit einer 100 euro Strafe und einem Punkt im Verkehrsregister rechnen.

Wann hört dieser Unsinn auf ?


2

Freitag, 29. Januar 2016, 11:57

Die ewige Bettelampel

Unter obigem Titel habe ich am 21.11.2012 bei den "Stadtmenschen" (Gott habe sie selig!) folgenden Beitrag gepostet. Scheint mir irgendwie passend...




Kennt jemand Ephraims Kishons „Immer viel zu heiß“, seine
herrliche Ode an die Suppe, die stets nur so gereicht wird, dass man sich Zunge
und Gaumen verbrennen muss? Bei mir weckt die rote Ampel ähnliche Empfindungen.



Ich stehe am Ehrenfeldgürtel und möchte hinüber auf die
Mittelinsel, wo sich meine Stadtbahnhaltestelle befindet. Der Blick nach links
zeigt gähnende Leere auf dem „Gürtel“, der Blick nach vorn den
Helios-Leuchtturm vor blauem Novemberhimmel. Trotzdem bleibe ich stehen: die
Fußgängerampel zeigt „rot“.


Sachlich betrachtet Unsinn. Auf gut 300 m Strecke ist die
Straße einsehbar, nichts tut sich. Und die Anderen gehen ja auch. Aber nach gut
vier Jahren als Neu-Kölner regt sich ob des hier kennen gelernten
unberechenbaren Verhaltens allzu vieler Fußgänger und Radfahrer Widerstand in
mir, mich hier so zu verhalten, wie ich es bei Anderen kritisiere. Also drücke
ich brav das Knöpfchen und werde mit „Bitte warten“ belohnt (wieso bei einer
roten Ampel DIESE Anzeige zusätzlich erscheint, verstehe ich nicht). Der
gesunde Menschenverstand flüstert „Du bist ein Idiot“. Der Ordnungssinn zwingt
mich zum Warten.


Es dauert ca. 30 Sekunden, da sehe ich von links kommend
eine kleine Autokarawane. Eine der dortigen Ampeln hat wohl einen kleinen Stau
verursacht, der nun aufgelöst wird. Mein Unbehagen steigt. Und richtig: da geht
ein Auto nach dem anderen vorn die die Knie, wird langsamer und bleibt am
Haltestreifen vor dem Überweg stehen. JETZT bekomme ich grün. Beim Überqueren
der Fahrbahn kann ich mich den Empfindens nicht erwehren, das zumindest der
Fahrer ganz vorn mich am liebsten steinigen würde. Ich kenne das Gefühl. Es
ärgert ganz einfach! Das Paradoxon, dass eine Stadt, die ihre Autofahrer
dermaßen einbremst, wegen angeblicher Umweltschutzgründe Feinstaubplaketten
verteilt, ist wohl ein Fall für die Philosophen.


Von den mehr als vier Jahren in dieser Stadt habe ich
gefühlt ein halbes vor roten Ampeln zugebracht. Wie viel davon war absolut
sinnbefreit, da sich nicht einmal eine Ursache für den Halt feststellen ließ,
wie oft habe ich, wie zuvor beschrieben, unter Hintanstellung des Bauchgefühls
letztlich nur meine Mitmenschen eingebremst, wo eine Ordnungswidrigkeit im
Sinne Aller gewesen wäre?


Geht es mir allein so? Ich fühle mich verfolgt. Da, die
nächste Ampel zeigt gerade Grün, jetzt aber schnell. Und 2 Meter vorher
schaltet sie um auf Rot! Trage ich etwa einen Chip in mir, der das so steuert?


Kishon hat auf seine unvergleichliche Art die Sehnsucht nach
einer leckeren Suppe beschrieben, die einfach so wie gereicht verspeist werden
kann, aber immer mit einer die Brillengläser beschlagen lassenden Temperatur
vorgesetzt wird. Auf seinem Grabstein werde stehen „Sein Leben war ein einziges
Umrühren“ (ich habe das nicht nachgeprüft).


Was soll ich mir als Inschrift wünschen? „Sein Leben war ein
Warten vor roten Ampeln“?


Ach, was sollen diese trüben Gedanken! Dieser Novembertag
ist so schön geworden…
Falls Sie hier die Flöhe husten hören:
es könnten Ihre eigenen sein! :D

3

Freitag, 29. Januar 2016, 13:24



Dann hattest du die gleichen Gedanken wie Satansbraten. Das zeigt, dass ihr ähnlich denkt :thumbup:

4

Freitag, 29. Januar 2016, 14:25

Es geht mir ja nicht um ähnliches Denken.

Vielmehr bin ich der Ansicht, dass ein Mehr an im Grunde überflüssigen oder widersprüchlichen Ver- und Geboten wie auch Gefahrenhinweisen (wozu eine Ampel m. E. definitiv gehört!) in letzter Konsequenz kontraproduktiv ist. Denn wem ist damit gedient, wenn eine Flut unsinniger Hinweise die Warnungen vor tatsächlichen Gefahrenpunkte quasi verwässert?

Mal ganz im Ernst: ich bin überzeugt, dass wir gute 80 % aller Gefahrenhinweise entfernen könnten, ohne deswegen ein signifikantes Minus an Verkehrssicherheit hinnehmen zu müssen.
Falls Sie hier die Flöhe husten hören:
es könnten Ihre eigenen sein! :D

5

Samstag, 30. Januar 2016, 01:37

I agree !! In vielen südamerikanischen Ländern ist das der Fall.
chupacabras könnte das bestätigen. Der kommt aus einem solchen. Kaum Verkehrszeichen und trotzdem fliesst der Verkehr. Und Unfälle gibt es nicht mehr als mit. Eine Überflutung von Ampeln und absolut unnötigen Verkersschildern erhöhen nicht unbedingt die Verkehrssicherheit, denn sonst gäbe es keine Unfälle mehr in Deutschland. Die Deutschen werden im Grunde wie Vollidioten im Strassenverkehr behandelt. Aber auch in anderen Dingen :thumbdown:

6

Samstag, 30. Januar 2016, 03:11

Was nützen Gebote oder Verbote, wenn der Verkehrsteilnehmer sich nicht daran hält oder halten will ? Es stimmt, normalerweise dürfte es gar keine Unfälle in Deutschland geben. So überreguliert ist alles. Dass trotzdem noch zu viele Crashs zu verzeichnen sind, beweist, dass die Kraftfahrer sich nicht an die Gebote oder Verbote gehalten haben.

Zu schnell, zu besoffen oder zu unaufmerksam.

7

Montag, 1. Februar 2016, 12:21

damengambit hat oben gefragt, wann der unsinn mit der bestrafung aufhört, wenn man mit einem fahrrad bei "rot" die unbefahrene strasse überquert.

gibt es von seiten der regierung irgendwelche zeichen, dass sich etwas ändert?

dollybasta

unregistriert

8

Dienstag, 2. Februar 2016, 13:12

ich warte auch gespannt. Nicht einmal Rauchzeichen sind am Horizont zu erkennen ^^

9

Dienstag, 2. Februar 2016, 13:53

Zu schnell, zu besoffen oder zu unaufmerksam
Das ist mir nun doch zu einfach.

Natürlich sind diese Punkte Ursache vieler Unfälle. Aber gerade beim Thema "zu schnell" kann ich aus meiner alten Heimat eine ganz andere Erfahrung einbringen.

Meine Fahrerlaubnis stammt aus Oktober 1978. Von der Wohnung bis ins alte Kreisstädtchen beträgt die Strecke ziemlich genau 10 km, dabei geht es durch eine geschlossene Ortschaft. Eine andere Möglichkeit ist etwa 3 km länger und führt durch 3 geschlossene Ortschaften. So ist denn die kürzere Alternative interessanter, wenn dort auch eine etwa 800 m lange Strecke recht eng ist.

Wie auch immer: anfangs war es problemlos möglich, die 10 km - ohne dabei irgendwo die zulässige Geschwindigkeit zu überschreiten - in 10 Minuten zu bewältigen. Mithin ein Stundenschnitt von 60 km/h. Man war halt zügig unterwegs. Nun war auf besagter 13-km-Strecke im Jahre des Herrn 1964 ein Nachbar zu Tode gekommen, den ich gar nicht mehr kennen gelernt habe: der Mann erlitt auf dem Motorrad einen epileptischen Anfall und fuhr strackwegs in einen entgegen kommenden LKW hinein. Das war für lange Jahre der letzte Todesfall zwischen Städtchen und meinem Heimatdorf. Hin und wieder erwischte es einen Helden in der Kurvenkombination kurz vor meinem Dorf. Dann segelte der Möchtegern-Schumi mit Schwung in den leicht abschüssigen Acker bzw. die Wiese in Richtung der Eder, wo er denn entsprechend abgebremst und zum Gespött der Bewohner vom Bauern mit dessen Trecker aus dem Matsch gezogen wurde. DAS geschah jedem nur einmal - dann hatte der seine Lektion gelernt.

Anfang der 90er Jahre wurde dort die Fahrbahndecke erneuert; bei dieser Gelegenheit baute man 1991 denn auch Leitplanken auf. Und im Herbst 1991 wurde ein auswärtiger Motorradfahrer, der auf dem (für was, kann mir nicht einmal mein Ältester als gelernter Straßenbauer sagen X( ) ausgeworfenen Rollsplitt wegrutschte, von der erst wenigen Wochen alten Planke praktisch enthauptet. Zeugen wussten zu berichten, dass er erkennbar langsamer als die hier aufgrund des Rollspitts erlaubten 60 km/h unterwegs gewesen sei. Der erste Tote seit 27 Jahren! Bis zum Jahr 2000 kamen auf der 10-km-Strecke weitere 3 Menschen auf der Straße ums Leben - und das, wo zwischenzeitliche eine Flut bis dato unbekannter Beschränkungen die Fahrzeit von 10 auf 17 Minuten hat anwachsen lassen. Ein jedes dieser Geschehnisse hatte seine Besonderheiten - auf "zu hohe" Geschwindigkeit kann man jedoch Keines zurückführen. Schon komisch, dass 4 Verkehrstote erst dann zu verzeichnen waren, NACHDEM man Geschwindigkeitsbeschränkungen eingeführt hatte, oder?

Was mich aber zu einem anderen Punkt bringt. Die Gegend ist "tot", trotz einer Zunahme des Fahrzeugbestandes ist der Begriff "Verkehr" eigentlich eine glatte Übertreibung. Da sich zudem die Kriminalität in angenehmen Grenzen hält, ist Kontrolle von Verkehrsverstößen vornehmliche Aufgabe unserer Polizeiwache. Der sie auch nachdrücklich frönt. Mannigfaltige Versteckmöglichkeiten für mobile "Blitzer" machen aus einer schnöden Autofahrt ein absurdes Katz- und Maus-Spiel: anstatt sich auf den Verkehr und das Fahren konzentrieren zu können, haftet der Blick allzu oft auf dem Tacho. Wer will schon wegen läppischer 6 km/h, die er auf einer Teilstrecke mit 70-km/h-Beschränkung "zu schnell" fährt, ein Knöllchen kassieren? "Unaufmerksam", Damengambit? Wo die Aufmerksamkeit unnötigerweise dermaßen abgelenkt wird...

Abschließend noch ein Schmankerl: alle Ortsdurchfahrten zwischen Heimatdorf und Kreisstädtchen wurden im Laufe der Jahre mit einigem Aufwand modernisiert und erhielten in diesem Zuge beidseitig Bürgersteige. Die Durchfahrgeschwindigkeit hat man zeitgleich auf 30 km/h beschränkt. Einzig an meinem Heimatdorf ist solche Modernisierung noch vorüber gegangen. Die Fußgänger müssen sich die Landesstraße wie seit Jahrzehnten mit den sie benutzenden Fahrzeugen teilen. Hier sind weiterhin 50 km/h erlaubt.

Im Dorf ist es noch nie zu einem Verkehrsunfall gekommen, der die Bezeichnung tatsächlich verdient (Parkplatzrempler u. dgl. m. lasse ich außen vor). Unfälle mit Personenschaden verzeichen dagegen die "modernisierten" Durchfahrten mit 30-km/h-Beschränkung. Was prompt wieder die örtliche Polizei in Wallung bringt...

Was bleibt denn da übrig vom "Volk der Raser"??
Falls Sie hier die Flöhe husten hören:
es könnten Ihre eigenen sein! :D

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Turm 61« (2. Februar 2016, 14:53)


10

Dienstag, 2. Februar 2016, 15:44

Ok. Mag sein, dass Damengambit eine recht simple Formel gewählt hat, aber sie stimmt mit der Statistik überein. Denn dies sind die Gründe der häufigsten Unfallursachen.

Dass du als "Landei" andere Erfahrungen gemacht hast, Türmchen, besagt nicht, dass es überall so sein muss. Als geborener Grossstädter, ich zähle Berlin dazu, kenne ich mich trotzdem auch mit den "Gepflogenheiten" und Situationen auf dem Lande aus, weil ich viele Jahre dort verbracht habe.

Ebenso sind mir die sogenannten "Promillegässchen" bekannt, die von wirklich vollgesoffenen Bauernlümmeln benutzt wurden. Das Gute: sie richteten keinen Schaden an. Weder sich selbst, noch überfuhren sie unschuldige Verkehrsteilnehmer.

Und wenn ich überlege, wie unverantwortlich schnell ich als Jungspund mit frischer Fahrerlaubnis unterwegs war, mehr als doppelt erlaubte Höchstgeschwindigkeit in Ortschaften, muss ich rückblickend sagen: wer hat mich vor verherenden Unfällen mit Todesfolge bewahrt?

Es ist mir ebenso zu einfach, zu sagen: Och, ich bin damals wie Jacky Stewart in seinen besten Zeiten durch die Landschaft gerast und es ist nix passiert, warum brauchen wir Geschwindigkeitsbegrenzungen und Sicherheitsvorrichtungen ??

Offensichtlich können und konnten Andere nicht so "gut" fahren und hatten nicht so viel Glück wie ich ? Überschätzung der eigenen Fahrkunst ist ein nicht unerheblicher Bestandteil vieler Unfälle. Denn trotz Geschwindigkeitsbeschränkungen und -kontrollen, kommt es immer wieder zu heftigen Unfällen.d.h. es halten sich nicht alle daran und versagen.

Wir müssen die Gesamtzahl an Verkehrsdelikten sehen.
Und noch ein Punkt: Die meisten Crashs spielen sich nicht auf der Landstrasse, der Autobahn oder dem Dorf ab, sondern in belebten grösseren Städten.

Ich weiss nicht, was für ein Auto du fährst, aber ich hatte vor 30 Jahren schon einen Tempomat in meiner "Nobel-Hobel-karosse", sodass ich mir das ständige "aufdenTachogucken" sparen konnte. :P

Dem Fahrspass tat es keinen Abbruch
. :thumbup:

berlin

Kaiser aller Tiere - gottähnlich

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11

Dienstag, 2. Februar 2016, 21:40

Ampeln hin, Ampeln her.

Was mich immer wieder ärgert, wenn die Leute ampelgläubig bei Grün losmarschieren. Ich kenne 3 tödliche Unfälle. Auf ihrem Grabstein steht: "Sie hatten Vorfahrt."



Ich bin ja ohne Ampeln groß geworden. Ich verlasse mich lieber auf meine Augen. Dazu gehört auch, dass ich - wenn 500 Meter rechts und links keiner kommt -, bei Rot gehe.

12

Dienstag, 2. Februar 2016, 22:02

Ich verlasse mich lieber auf meine Augen.
Nimmst du den Mund nicht etwas voll, Alder :?: :P

berlin

Kaiser aller Tiere - gottähnlich

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13

Dienstag, 2. Februar 2016, 22:43

Ich bin von meiner Mutter so erzogen worden. "Links gucken, rechts gucken, huschhusch (zügig, ohne Eile) rüber."

14

Mittwoch, 3. Februar 2016, 13:04

sie stimmt mit der Statistik überein
"Glaube keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast."

Aus Polizeikreisen verlautet nicht umsonst, dass Eile (zumal wenn es darum geht, den Verkehr wieder zum Fließen zu bringen) eine tiefer gehende Ermittlung der eigentlichen Unfallursachen zumeist unmöglich macht. Viele, vielleicht zu viele Beamte kreuzen dann auf dem Aufnahmebogen die "überhöhte Geschindigkeit" als Ursache an. Das erspart Rückfragen, zumal es dem gesellschaftlichen Comment entspricht.

Meine "Kölner" ErFAHRungen habe ich wiederholt bei den "Stadtmenschen" eingebracht. In meinen kleinen Serien ( so z. B. "Stadt, Land, Fluss") habe ich meine ländlichen Eindrücke denen der Millionenstadt gegenüber gestellt, in die es mich im vorgerückten Alter verschlagen hat. Der Behandlung des ÖPNV, des Autofahrens wie auch des Radfahrens in beiden Welten habe ich mich dabei im Besonderen gewidmet.

Nein, mein Auto habe ich im November 2013 abgemeldet. Da dienstlich eingesetzt, habe ich ein Fahrtenbuch führen müssen. Und die 68 km, die ich im Oktober 2013 noch registrieren durfte, haben mir dann gelangt. Wo auf dem Land aufgrund sehr dünner ÖPNV-Anbindung und für Radfahrer schweißtreibender Topographie der Verzicht auf ein Kraftfahrzeug undenkbar ist, hat mich Köln in relativ kurzer Zeit eines Besseren belehrt. Es sind aber nicht nur die Kölner Verkehrsbetriebe, deren Leistung mich anspricht und die zahlreichen Radwege. Vielmehr habe ich lernen müssen, dass der Autofahrer hier quasi zum gehetzten Wild wird.

Ich lebe nun im achten Jahr in Köln. Und in all dieser Zeit habe ich keinen einzigen Fall erlebt, in dem eine Verkehrssituation, die u. U. "kritisch" hätte werden können, allein einem Kraftfahrer hätte angelastet werden können. Auch meine Bekanntschaften (ich bin aus dem alten Dunstkreis der Einzige, der in einer Großstadt gelandet ist) bestätigen meine Beobachtung, dass für Radfahrer und Fußgänger scheinbar keine Regeln zu existieren scheinen.

Nun fahre ich je selber Rad, dies bis zu 250-300 km in der Woche, je nach Termingestaltung und Witterung. Und ich bin der Letzte, der Unfehlbarkeit beanspruchen möchte! Allerdings komme ich aus eben aus einer ländlichen "Schule". Man ist genötigt, von Kindesbeinen an die Verkehrswege mit dem Kraftverkehr zu teilen. Und kein Kind wird ohne ein "Im Zweifel nicht!" auf die Straße geschickt, noch in der Grundschule stellt die örtliche Polizei nach einer entsprechenden Übungstag den Kleinen einen "Radfahrführerschein" aus, der zwar de facto keine Relevanz hat, von den Kindern aber wie eine Reliquie betrachtet wird. Die Feuerwehr beteiligt sich an diesen "Fahrschultagen", indem sie große Einsatzfahrzeuge zur Darstellung des toten Winkels bereit bestellt. Kein Kind, das nicht beeindruckt wäre, aus der Fahrerposition des Leiterwagens in den riesig erscheinenden Rückspiegeln die eigenen Klassenkameraden nicht sehen zu können. Das sitzt! Und als späterer Kraftfahrer weiß man um die Nöte des Radlers vor dem Auto, der in der lang gezogenen Linkskurve mit leichter Steigung nun beim besten Willen nicht schneller unterwegs sein kann. Über Jahre und Jahrzehnte hinweg bildet sich auf dies Weise ein Miteinander heraus, das Unfälle zwischen Radlern und Autos praktisch unbekannt bleiben lässt. Dieses Handlings bediene ich mich auch hier in Köln - und erlebe dabei ein absolut unproblematisches Verhältnis zu den so viel zahlreicheren Kraftfahrern. Wenn es zu Disputen kommt, haben bislang immer (!) andere Radler bzw. Fußgänger die Sache angestoßen. Auch dies war mit ein Grund, das Auto ad acta zu legen. Selbst mein Sohn, der 2 Jahre lang die Campina-Molkerei im Bilderstöckchen als Kraftfahrer mit seinem LKW angefahren hat, war heilfroh, als ihm eine andere Tour zugewiesen wurde. Er bezeichnete es als praktisch unvermeidbar, eines Tages einen Radfahrer oder Fußfänger "unter dem Bock" zu haben, so, wie sich diese verhielten.

Dass es unter Kraftfahrzeugen selbst zu vielen Unfallschäden im Großstadtbereich kommt, ist einfach der großen Zahl der Verkehrsteilnehmer geschuldet. Die größere Dichte bringt halt auch engere Kontakte mit sich. Hinzu kommt aber auch der Aspekt der zunehmend autofeindlichen Verkehrsführung. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es bei "Grün" zumeist Fahrzeug mit Kölner Kennzeichen sind, die sich besonders langsam in Bewegung zu setzen scheinen. Das mag der Unaufmerksamkeit geschuldet sein, die sich nach langen, einschläfernden Rotphasen ergibt. Wenn dann aber obendrein Ampelschaltungen den fließenden Verkehr in der Weise einbremsen, wie ich das in meinem alten Beitrag geschildert habe, ist es zudem menschlich verständlich, dass viele Kraftfahrer auf dem letzten Drücker (quasi bei "Chicagogelb") noch über die Kreuzung huschen. Das soll und kann keine Entschuldigung darstellen - aber ich habe mich selbst dabei ertappt, dass ich die grüne Ampel nicht mehr wie früher als "freie Fahrt" werte, sondern mit Argusaugen den Querverkehr beobachte. Schließlich kann mir nicht daran gelegen sein, durch zügiges Losfahren in Konflikt mit den Verkehrsteilnehmern zu geraten, die "eben noch" über die Kreuzung zu huschen trachten.

Die Zusammenhänge sind m. E. viel zu komplex, um sie in so simple Formeln zu gießen, wie Damengambit dies getan hat. Für mich kann ich sagen, dass ich mich hier sicherer unterwegs fühle, seitdem ich das Auto an den Nagel gehängt habe. Aber dieses Empfinden ist nicht auf den Kraftverkehr zurück zu führen.
Falls Sie hier die Flöhe husten hören:
es könnten Ihre eigenen sein! :D

15

Mittwoch, 3. Februar 2016, 14:06

es gibt Länder, da bist du hoch gefährdet, wenn du bei "grün" die Strasse überqueren willst, ohne dich zwei-dreimal vergewissert zu haben, dass auch wirklich kein ignoranter Idiot mit hoher Geschwindigkeit bei Rot die Kreuzung passiert.
Und das, obwohl die meisten Ampeln bei uns mit einer Zeitangabe ausgestattet sind. Es ist also genau zu erkennen, wie lange die Rot oder Grünphase dauert. Eigentlich ein dufter Service. Leider wird er von nicht wenigen Gesetzlosen selten beachtet :thumbdown:

16

Mittwoch, 3. Februar 2016, 14:22

einen Grund muss es doch gegeben haben, wenn es zum Unfall kam? War es nicht die überhöhte Geschwindigkeit, dann war es halt Unaufmerksamkeit. Und davon redete Damengambit. Wenn alle drei Komponente zusammenprallen, kracht es auch im Strassenverkehr. Zu schnell, zu "besoffen" und nicht aufmerksam ist zwar sehr simpel ausgedrückt, aber doch griffig im Verständnis. Du hast es differenzierter betrachtet und hier ausgeführt. Auffahrunfälle passieren meist dann, wenn der Unfallverursacher sich nicht an die Abstandsregel hält. Zu dicht, zu schnell und zu ignorant könnte man es auch formulieren.

17

Freitag, 5. Februar 2016, 11:07

Auffahrunfälle passieren meist dann, wenn der Unfallverursacher sich nicht an die Abstandsregel hält.
Möglich. Der einzige Unfall, den ich hatte: Ich stand, der Vordermann setzte mit Caracho zurück. Blötsch in der Stoßstange.

18

Freitag, 5. Februar 2016, 12:51

Mein lieber satansbraten, ich bestreite ja nicht, DASS zu dicht aufgefahren wird oder DASS jemand unaufmerksam ist. Mir geht es darum, WIESO es Sache eines überbordenden Schilderwaldes und oft genug nicht nchvollziehbare Ampelschaltungen (siehe oben in meiner ersten Antwort) sein kann oder soll, Aufmerksamkeit zu erzeugen bzw. zu dichtes Auffahren zu verhindern.

Am 20. Oktober letzten Jahres habe ich einen Beitrag zu unserem voran gegangenen Urlaub in Dänemark verfasst. Dem Straßenverkehr habe darin ich einen besonderen Teil gewidmet:
"Aber
- wenn auch die Verkehrsdichte deutlich geringer ist - das Autofahren
ist eine reine Erholung, verglichen mit dem Dauerstress deutscher
Straßen. Ja, die erlaubte Höchstgeschwindigkeit auf Landstraßen liegt um
20 km/h niedriger als in Deutschland. Trotzdem kommt man zügiger voran.
Kaum je war eine Geschwindigkeitsbeschränkung zu entdecken (wo darf man
hierzulande noch schneller als 70 km/h fahren?), und war dies doch der
Fall, so war denn auch offenkundig, wieso man sich hier nur 60 km/h
erlauben sollte. Im Stadtbereich haben wir nur eine relativ kleine
Strecke vorgefunden, innerhalb der 40 km/h gestattet waren. Anders, als
ich das von Köln gewohnt bin, verursachen keine sinnbefreiten
Ampelschaltungen Staus, die dann zur Rechtfertigung der eigenen Existenz
werden. Und da sich die Verkehrsteilnehmer darauf verlassen (können),
stürmt niemand bei "Chicagogelb" über die Ampel, um einer unsäglich
langen Rotphase zu entrinnen. Was, am Rande auch Radfahrer und Fußgänger
betrifft. Der Aktion http://www.kvb-koeln.de/german/kampagnen…ht_bei_rot.html
haftet da schon etwas Kindisches an. Und vor allen Dingen: 2 Wochen
lang sind wir keinem "Blitzer", keiner Verkehrskontrolle, keiner
Knöllchen verteilenden "Politesse" begegnet.

Nebensache? Ha - ich habe mich schon lange nicht mehr so entspannt und
sicher auf der Straße gefühlt wie in diesen 14 Tagen. Man fährt
vorausschauend, man kann sich dies erlauben! Niemanden stört es, wenn
man in einem unbedachten Moment mit 86 km/h unterwegs ist. Hierzulande
ist man damit bereits ein "Raser"; wie mit dem Verfolgungsradar eines
Jagdbombers irrt der Blick des Kraftfahrers nach dem nächsten möglichen
Versteck eines möglichen "Blitzers" und dem Tachometer hin und her.
Entnervend und ermüdend. Kommt so "Sicherheit" auf?"


satansbraten, trotz grundsätzlich geringerer zulässiger Geschwindigkeiten ist man in Dänemark tatsächlich schneller unterwegs. Eine rote Ampel ist eben DAS - sie wird respektiert, weil sie eben dort steht, wo sie unabdingbar ist. Kein sinnloses Einbremsen des fließenden Verkehrs, man kann sich als Fahrer sicher sein, dass es zügig weitergehen wird. Wozu dann ein halsbrecherisches Manöver bei "Chicagogelb"? Auffällig ebenfalls, dass die zulässigen Höchstgeschwindigkeiten mit einer gewissen Nonchalance übergangen werden. Freie Bahn über hunderte von Metern, kein Fußgänger in Sicht? Wieso dann stramm 50 km/h halten? Wobei, am Rande, in vergleichbaren Lagen der Bundesrepublik durchaus 30 km/h vorgeschrieben sein können. Und irgendwo erwartest Du hier stets einen "Blitzer". Deine Aufmerksamkeit wird aufgesogen, das eigentliche Verkehrsgeschehen zwar nicht in der Hintergrund gedrängt, aber eben doch beeinträchtigt.

In diesem Zusammenhang bin ich Anfang November fast in eine Massenkarambolage auf der A59 geraten. Die Kolonne war zügig, it den erlaubten 100 km/h unterwegs, hin und wieder kroch mit vielleicht 5-6 km/h höherer Geschwindigkeit jemand an mir vorbei. Auch die Abstände waren durchaus i. O. Aber urplötzlich, aus heiterem Himmel, stieg ein paar Fahrzeuge weiter vor ein Fahrer massiv in die Eisen, was zu einer Kettenreaktion führte, und zangsläufig wurde es für den nachfolgenden Verkehr umso enger, je weiter er vom Ausgangspunkt des Manövers entfernt war. Alles ist gutgegangen, aber es war doch echt knapp. Auslöser des Manövers war ein plötzlich auf dem Seitenstreifen einsehbarer Streifenwagen, dessen einer Insasse soeben etwas verspeiste, wie ich bei ca. 75 km/h erkennen konnte. Langsam entzerrte sich der Knuddel wieder, und es ging im vorherigen Tempo weiter. Tja, und eben solche Ereignisse sind leider keine Seltenheit. Deutsche Autofahrer sind nach meinem Empfinden darauf konditioniert, zu jeder Tages- und Nachtzeit und an jedem nur möglochen Ort auf "zu hohe" Geschwindigkeit gefilzt zu werden. Und erscheint dann nur ein vermuteter "Blitzer", so wie geschildert, setzt ein Automatismus ein, wo er gar nicht nötig gewesen wäre. Wie groß soll denn ein Abstand sein, wenn zu jeder Zeit völlig überflüssige Panikreaktionen solcher Art einkalkuliert werden müssen?

In Dänemark haben wir in den beiden Wochen keine einzige Kontrolle erlebt. Die Schilderdichte ist bedeutend geringer, es herrscht ein weitgehend entspanntes Miteinander. Wir, die wir "vorkonditioniert" gefahren sind, wurden oft genug mit "überhöhter" Geschwindigkeit passiert, ohne dass sich diese "Raser" oberlehrerhafter Bemerkungen oder Handzeichen der anderen Verkehrsteilnehmer ausgesetzt gesehen hätten.

Und dazu werfen wir mal einen Blick auf die europäischen Unfallstatistiken. Deutschland liegt bei der Zahl der Verkehrstoten pro Mio. Einwohner unter dem (immer noch traurigen) Durchschnitt; trotz aller Bemühungen gelingt es jedoch nicht, die skandinavischen Länder zu unterbieten. Trotz geringerer Kontrolldichte und obwohl ein recht legeres Verhältnis zur vorgegebenen Geschwindigkeit festzustellen ist, steht Dänemark deutlich besser da.

Dass gewissen- und verantwortungslose Vollhonks sich und andere in Gefahr bringen, ist unbestreitbar. Aber kann man ernsthaft erwarten, dass dieses Verhalten durch weitere Verbote und weitere Einschränkungen aus der Welt zu räumen ist?

Stattdessen kriminalisiert die Obrigkeit mit einem enormen Aufwand Massen deutscher Autofahrer für marginale Verstöße. Mit welchem Erfolg? Eben dass sie sich in Widerstand gegen diese Gängelei üben. Der gesunde Menschenverstand wird in Permanenz mit Füßen getreten, die Aufmerksamkeit lässt nach bzw. wird auf im Grunde Unwichtiges gelenkt. Die wirklichen Verkehrsdeppen erwischt man allzu selten.
Falls Sie hier die Flöhe husten hören:
es könnten Ihre eigenen sein! :D

reines Gewissen

unregistriert

19

Freitag, 5. Februar 2016, 17:34

Aber urplötzlich, aus heiterem Himmel, stieg ein paar Fahrzeuge weiter vor ein Fahrer massiv in die Eisen, was zu einer Kettenreaktion führte, und zangsläufig wurde es für den nachfolgenden Verkehr umso enger, je weiter er vom Ausgangspunkt des Manövers entfernt war. Alles ist gutgegangen, aber es war doch echt knapp. Auslöser des Manövers war ein plötzlich auf dem Seitenstreifen einsehbarer Streifenwagen, dessen einer Insasse soeben etwas verspeiste, wie ich bei ca. 75 km/h erkennen konnte.

DAS wäre nicht passiert, hätte der Auslöser dieser Bremsattacke mich gehabt. Nämlich ein reines Gewissen. Und weil fast alle deutschen männlichen Verkehrsteilnehmer ein schlechtes Gewissen haben, geraten sie in Panik, selbst wenn sie einen leeren Polizeiwagen sehen. Sie sind sich nicht sicher, ob sie nach Vorschrift fahren.

Ich kenne noch Zeiten, da konnte man auf der Landstrasse das letzte an Geschwindigkeit aus seiner Kiste heraus holen, ohne belangt zu werden. Viele haben sich überschätzt und wickelten sich im Tagestakt um die am Strassenrand befindlichen Bäume.
Ende der 60er wurden 100 km/h auf Landstrassen eingeführt. Ehrlicherweise muss man feststellen, dass es kaum ein Land auf der Welt gibt, in dem man auf vielen Autobahnteilstrecken Abhebgeschwindigkeit eines Tornados fahren darf. Diese Freiheit haben Fahrer anderer Staat nicht.


Trotzdem sehe ich auch eine Überregulierung der deutschen Behörden. Es werden jene in Sippenhaft genommen, die auch durch höhere als erlaubte Geschwindigkeit noch sicher ihr Fahrzeug beherrschen. Offensichtlich soll der Spass am Autofahren abgeschafft, damit die öffentlichen Verkehrsmittel stärker in Anspruch genommen werden ??

onkel heinrich

unregistriert

20

Samstag, 6. Februar 2016, 05:50

Offensichtlich soll der Spass am Autofahren abgeschafft,
Tja, seit es die Grünen gibt, wird alles verboten bzw. erschwert. Man sollte die Grünen verbieten.

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