Sie sind nicht angemeldet.

Lieber Besucher, herzlich willkommen bei: Staedter Forum. Falls dies Ihr erster Besuch auf dieser Seite ist, lesen Sie sich bitte die Hilfe durch. Dort wird Ihnen die Bedienung dieser Seite näher erläutert. Darüber hinaus sollten Sie sich registrieren, um alle Funktionen dieser Seite nutzen zu können. Benutzen Sie das Registrierungsformular, um sich zu registrieren oder informieren Sie sich ausführlich über den Registrierungsvorgang. Falls Sie sich bereits zu einem früheren Zeitpunkt registriert haben, können Sie sich hier anmelden.

Gohrisch 1

unregistriert

1

Donnerstag, 16. November 2017, 05:14

Liebe diese Stadt

Zurückgeschaut…Dresden im Februar 1945



Am Elbhang stehend schaue ich zu ihr hinunter,

sehe das Erwachen einer Stadt.

Bilder aus längst vergangener Zeit tauchen auf, verschwinden wieder, schemenhaft wird Erlebtes deutlich.



Ohrenbetäubender Lärm, Sirenen……aufstehen….rasch…..ein blutroter Himmel,

Hitze, Schreie, Weinen , sengende alles vernichtende Hitze, einstürzende Häuser ,Wände. Ein Tod der vom Himmel kommt, Flammen losgelöst, sich immer wieder selbst erschaffend.

Leiber aufgeschichtet, verbrannt, auf einem Platz, auf dem früher wie heute jedes Jahr der Weihnachtsmarkt stattfindet.



Schule, Oberschule, Chor, die täglichen Unterweisungen in sozialistische Lebensphilosophie, ein Brandgeruch der immer dann gegenwärtig ist, wenn Stress angesagt ist.



„Liebe diese Stadt“

Eine Botschaft? Ein Befehl? Weder noch, wohl eher eine Bitte.



Zerbombt, verbrannt, geschändet……ja….sie, die Stolze, die Schöne, die Erhabene, sie hat deine Liebe notwendig und verdient, Opfer und Vergeltung millionenfachen Leides.



Als Kind – mit flüsternder Stimmen…..fragenden Augen……das verstehst du nicht, geh Klavier spielen! Zum tausendsten Mal – an der schönen blauen Donau-

Oh doch….wir erahnten, wenn über Opfer von Gewalt geflüstert wurde….die auch?. .oh Gott, wenn wieder ein Keller geöffnet wurde und wieder und wieder Leichen geborgen wurden.

Wenn wieder Pogrome einer zügellosen Soldeska stattgefunden hatten, bis dem ganzen Treiben mit härtesten Strafen Einhalt geboten wurde.

Stille, dunkle Zimmer, regungsloses vor sich Hinstieren, der kindliche Versuch mit alldem fertig zu werden.



„Liebe diese Stadt“…..sie hat es mir nie leicht gemacht und tut es heute immer noch nicht.

Enteignet, verkauft, verhökert, Brache dort, was man einst sein Elternhaus nannte.

Betreten nicht gestattet- eine Spalte im Lattenzaun- verfallene Betriebsgebäude aus deren Fenstern und Türen Birken wachsen.

Können sie nicht lesen? Ein Mann, der diese Frage stellte…… ja ich weiß….. betreten verboten….. nur hier… bin ich aufgewachsen. Ihr Name? Neugieriges, verständnisvolles Verstehen, wortloses Gehen.

Komisch…..irgendwie hatte ich alles viel größer im Gedächtnis, auf einer Stufe sitzend, die zum ehemaligen Büro meines Großvaters führte, machte ich diese Feststellung.

Nein ….leicht gemacht wird einem der Weg zu den eigenen Wurzeln nicht.

Widerstände, eine Mauer die um vieles höher ist, als es die realexistierende war.



Da…von… .wo ich es am wenigsten erwartet hatte, von dieser Seite kam Verständnis

Ein Lied, was sage ich, eine Ode, ,jeder Kölner kennt es : Wenn ich so an meine Heimat denke und sehe den Dom….

Für mich, die wiedererstandene Frauenkirche, die ich als Kind nur als einen Trümmerhaufen mit zwei Torsos die sich klagend gen Himmel reckten, erlebte.

Der Reformator Luther stand und steht schützend vor diesem beredten Zeichen.



Eine Kindheit zwischen Extremen. Zwei mal wöchentlich musste ich mitten durch diese Wüste, in der sich die Nager so wohl fühlten, da meine Chorproben auf der anderen Elbseite stattfanden.

Zum anderen die heile Welt in der Sächsischen Schweiz in der mein zweiter Großvater ein Haus mit schönem Grundstück besaß.

Wann immer ich konnte machte ich mich auf den Weg, meistens mit einem Bummelzug 3. Klasse bis nach Königstein und dann zu Fuß den Berg hinauf.



„Liebe diese Stadt“

Eine Liebe die einem fast den Verstand geraubt hat, eine Liebe in der das Grauen ständig gewärtig war, eine Liebe voller Hoffnung und Zuversicht.



Drj’ezd’zany ihr alter sorbischer Name (Auenwälder) von dort bis zum Elbflorenz ein langer aber geschichtsträchtiger Weg bis zu der Nacht und dem Tag, an dem Dresdner Geschichte neu geschrieben werden musste.

.

Ich stehe am Elbhang und schaue auf sie hinunter, das neue alte Dresden, etwas weltfremd, barock,, liebenswert, versponnen, wertkonservativ, bürgerlich.



Die Zeit scheint hier manchmal eine Auszeit zu nehmen.

Altes Vertrautes gibt mir das Gefühl nach Hause gekommen zu sein.

Gehen auf alten Wegen, Neuentdeckung alter Begegnungsstätten, Furcht wie alle Jahre vor dem 13/14 Februar, wenn dann wieder aus ganz Europa ein Treffen derjenigen stattfindet, deren Träume nicht belastet sind.

Ich freue mich, dass die neue Synagoge breiten Zuspruch erfährt, obgleich die alte, zerstörte, mir schöner erschien.

Entdecke die Ruhestätten der Baumeister des alten Elbflorenz, die zum großen Teil aus Italien kamen.

Sehe, wie viele ihrer Schöpfungen wieder hergestellt werden.

Genieße das unvergleichliche Flair dieser wieder zum Leben erwachten Stadt, bin stolz darauf ein winziger Teil von ihr sein zu dürfen

Ich……

„Liebe diese Stadt.“



Heiko Eggert/Gohrisch

Dies ist der Siegerbeitrag im Preisausschreiben der Stadtmenschen (KStA Köln). Admina Mia gab ihn in Unkenntnis der Spielregeln als ihren eigenen aus.

Der unfähige Leiter KStA-online Jürgen Oehler löschte ihn zusammen mit allen anderen. Chefredakteur Peter Pauls ist für die Schließung der Stadtmenschen verantwortlich.

Ihre Seelen mögen in der Hölle braten! (berlin)

berlin

Kaiser aller Tiere - gottähnlich

  • Nachricht senden

2

Donnerstag, 16. November 2017, 05:50

Dresden damals


Ähnliche Themen

Counter:

Hits heute: 391 | Hits gestern: 6 372 | Hits Tagesrekord: 44 306 | Hits gesamt: 6 403 175 | Klicks pro Tag: 8 207,43