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Dr. Winfried Kösters

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Freitag, 2. Februar 2018, 22:08

Mangel an Fachkräften

Aktuelles, Demografischer Wandel
Fatal: Der demografische Wandel wirkt und wird nicht verstanden


2. Februar 2018 Dr. Kösters


Die Bertelsmann Stiftung veröffentlicht eine Studie, wonach bis 2025 bundesweit bis zu 35.000 Lehrer/innen allein an den Grundschulen in Deutschland fehlen werden. Folgt man dem Sondierungspapier der GroKo-Parteien CDU, CSU und SPD, so sollen allein im Bereich Pflege rund 8.000 zusätzliche Stellen geschaffen werden, im Bereich der Bundespolizei rund 7.000 zusätzliche Stellen. Auf der Landesebene wollen die 16 Bundesländer ebenfalls rund 15.000 zusätzliche Stellen bei der Polizei schaffen.

Da wirkt es beinahe bescheiden, dass die Bahn AG rund 19.000 Stellen in den nächsten Jahren besetzen will. Rund 1.000 zusätzliche Lokomotivführer sollen gefunden werden. Wer dann noch gelesen oder gehört hat, dass auch das Handwerk viele Aufträge nicht mehr erfüllen kann, weil es an Fachkräften mangelt, dass zum Beispiel das Bauhandwerk 2016 42 Prozent aller Ausbildungsplätze nicht besetzen konnte (das ist absolute Spitze unter den Branchen), weil es keine Bewerbenden mehr gibt, der sollte sich doch allmählich wundern.

Wenn man dann die Pressemitteilung der Bundesregierung vom 31. Januar 2018 liest, wonach im Dezember 2017 rund 44,62 Millionen Menschen in Deutschland erwerbstätig gewesen sind, wird feststellen, dass es in Deutschland noch nie so viele Beschäftigte gab! Wer dann liest, dass „nur“ noch rund 2,57 Millionen Menschen arbeitslos gemeldet sind (auch das ist ein Rekordwert), und dass im Januar 2018 736.000 Stellen bei der Bundesagentur für Arbeit als frei gemeldet waren, der muss sich doch fragen: „Wo sollen all diese Arbeitskräfte herkommen, die benötigt, gewollt und versprochen werden?“

Gleichwohl meinen alle, dass man nur besser bezahlen müsse, dass nur das Image des jeweiligen Berufes verbessert werden müsse, dass man sich nur mehr anstrengen und besser darstellen müsse, um diese Menschen zu bekommen. Dabei hat es noch nie so lange gedauert, um einen Arbeitsplatz wieder zu besetzen: 98 Tage im Durchschnitt (Stand: Januar 2017).

Was nach wie vor vernachlässigt, verdrängt, unberücksichtigt bleibt, ist der demografische Wandel. Und der ist seit mindestens 20 Jahren absehbar gewesen. Zum einen verlassen jährlich zurzeit bundesweit rund 300.000 Menschen den Arbeitsmarkt altersbedingt mehr als neu hineinkommen (die alte Bundesregierung hat dies mit der Rente ab 63 noch dramatisch verschärft). Zum zweiten altern die Belegschaften: das Durchschnittsalter der Beschäftigten liegt zurzeit bei 43 Jahren, Tendenz steigend. Zum dritten hat sich der potenzielle Nachwuchs halbiert: 1964 wurden noch 1.357.304 Kinder geboren, die rentenrechtlich 2031 in den Ruhestand eintreten werden. 2031 wiederum ist der Jahrgang 2013 18 Jahre alt und das waren 682.069 Kinder. Anders ausgedrückt: die Hälfte der von den 1964 Geborenen eingenommenen Arbeitsplätze kann nicht wiederbesetzt werden, da sie nicht mehr geboren wurden.

Da auch die Zuwanderung massiv problematisiert wird (siehe Familienzusammenführung von anerkannten geflüchteten Menschen), stellt sich die Frage, wie die Probleme gelöst werden sollen? 8.000 zusätzliche Stellen in der Pflege zeigen nur dann Wirkung, wenn sie auch besetzt werden können.

Frage: Wissen die potenziellen Koalitionäre nicht um diese Problematik? Oder machen sie nur die Augen zu? Oder wollen sie uns Beruhigungspillen verteilen? Oder ist für sie Zukunft schlichtweg die Verlängerung der Vergangenheit: Weiter so!? Leben sie in einer realitätsfernen Wolke?

Fakt ist: der demografische Wandel wirkt, nachhaltig, unumkehrbar und er läuft wie ein Uhrwerk. Man kann ihn gestalten, nicht aufhalten. Doch die Gestaltung braucht Mut zur Veränderung. Und die erleben wir gerade nicht. Leider.

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