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tujing. lambertz

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Sonntag, 13. Juli 2014, 02:32

Denkmalschutz

Konfliktfälle mit technischen Denkmälern










Das Jahresprogramm des Architektur-Forum-Rheinland steht diesmal unter dem Thema Denkmalschutz. Die 6.Veranstaltung trug den Titel: Aktuelle Konfliktfälle mit technischen Denkmälern im Rheinland. Fördertürme und Schornsteine haben es schwerer, in die Denkmalliste aufgenommen und so ihrem Sterben zu entgehen. Schwerer als ein Dom zu Aachen oder sogar der Dom zu Köln. Auch wenn Letzterer durchaus an die Höhe eines Industrieschornsteins heranreicht.

Die Überschrift war ein wenig irreführend, denn mit zwei der vier diskutierten Fälle ging es über die Grenzen des Rheinlandes hinaus nach Dinslaken und Duisburg in Westfalen. Ich will mich aber grundsätzlich auf die
Zeche Niederberg in Kempen-Tönisberg beschränken. Im Übrigen verweise ich auf diesen Link zum Haus der Architektur Köln.

Den einleitenden Vortrag zu dem Thema hielt
Walter Buschmann. Engagierter Denkmalpfleger. Aber offenbar auch ein wenig frustriert durch den konfliktreichen Kampf um den Erhalt von Industriedenkmälern. Da es nun an dem Abend eher um Niederlagen oder andauernde und unentschiedene Auseinandersetzungen bei diesen Bemühungen ging, wirkte sein Vortrag eher pessimistisch, enttäuscht. Ja er kam mir ein wenig knatschig rüber. Aber vielleicht war das gewollt, um dem Publikum das Thema eindringlich rüberzubringen.

Industriedenkmäler, die vielleicht solitär in der Landschaft hervorragen, aufgelassen, ihres Nutzens verlustig und einer neuen sinnvollen Nutzung nur schwer zuzuführen, diese zu erhalten, trifft eben auf Widerstand. Auf Widerstand aus den verschiedensten Ecken, um nicht zu sagen: Hinterhalten.

Im Falle der Zeche Niederberg ist es vor allem die Stadt Kempen, die für Abriss optiert und lieber eine Bewaldung des Areals wünscht. Kempen-Krefeld sieht sein Selbstverständnis und auch seinen wirtschaftlichen Vorteil, eher im historischen Charakter ihrer zu großen Teilen erhaltenen oder wieder erstellten Substanz aus dem Mittelalter und der Frühen Neuzeit. Weniger oder lieber garnicht im Image einer -auch - ehemaligen Bergbaustadt. Letzteres wollen sie lieber den Städten im vormaligen Land der sächsischen Stämme überlassen, gegen die der große Karl und sein kleiner Vorfahr Pippin mehr als ein halbes Jahrhundert zu Felde gezogen sind.

Verständlich, bei der langen Geschichte. Das erste schriftliche Dokument über die Existenz des historischen Campunni stammt schließlich schon aus dem Jahre 890 !! Diese Weisheit übernehme ich im Übrigen dem schönen Artikel von Petra Pluwatsch (Künstlername ;-) ?): Krumm, schief – und wunderschön in unserem Stadtanzeiger von diesem Wochenende.

Auch ich kann das nachvollziehen. Als historischer Flecken ist Kempen attraktiv. Touristisch und auch zum Shoppen in kleinteiliger Umgebung statt in Einkaufszentren auf der Grünen Wiese oder dem Einheitsstil einer Schildergasse. Auch ich habe mir dort (in Kempen) schon Hemden, Hosen etc. in kleineren Einzelhandelsgeschäften gekauft und in den Straßencafés gesessen.

Was das Kraftwerksgebäude angeht und insbesondere den eleganten Förderturm mit seiner patentierten Kastenkonstruktion, so stellt dies sicher ein erhaltenswertes Industriedenkmal dar. Die Konstruktion ist schon sehr elegant und ein würdiges Beispiel der Ingenieurkunst. Andererseits, unsere Landschaft ist schon so überbaut und denaturiert. Insbesondere Strommasten, Windräder, Industrieschornsteine und eben auch Fördertürme stören doch oft den Blick des Menschen, der seiner Evolution nach, doch lieber Steppen, Wälder und Felder sieht mit hübschen kleinen Ansiedlungen (einmal ganz abgesehen von schönen Frauen). Meinetwegen auch Kirchtürmen, die ja heute auch nicht mehr so recht nutzbar sind.

Also, auch ich, wenn auch aufgelassener Tragwerksplaner, habe Verständnis für den Wunsch hier wieder die Natur zurückzulassen. Nicht alles muss als körperliches Denkmal erhalten bleiben. Es genügt doch, meine ich, oft auch eine lückenlose, umfangreiche Dokumentation in Schrift, Bild und Ton, die dann hoffentlich allerdings nicht durch Archiveinstürze zu Grunde gehen.

Zum Schluss doch noch ein Blick nach Duisburg zum
Stadtwerketurm.. Der Moderator Jürgen Keimer meinte, er sei schon einige Male in Duisburg gewesen, aber der immerhin doch 200 m hohe Turm sei ihm noch nie aufgefallen. So geht es auch mir, der ich doch schon einige Male am Innenhafen gesessen und sagen wir eine Cola getrunken habe. Dabei ist das Ding kaum einen Kilometer entfernt.

Bei dem Turm geht es um die Frage, ob er vielleicht, analog dem Eifelturm für Paris, für Duisburg eine Landmarke werden kann. Wo der Duisburger, die Duisburgerin, kommen sie zurück aus Mallorca, direkt das Gefühl haben: Da ist er, unser Dreiröhrenturm. Jetzt sind wir wieder daheim. Also scheint er mir, da ja auch nicht umgeben von grüner Natur, durchaus erhaltenswert.

Jedenfalls scheint er mir schöner und für das Auge erträglicher (insbesondere angestrahlt bei Nacht) zu sein als das unsägliche
Landesarchiv direkt am Innenhafen. Ein Architekturfrevel.

Lemm(y)i – der Schönheit weiht ich mein Leben.

Verwendete Tags

Dom, techn. Denkmäler

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