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Montag, 17. November 2014, 15:50

Ein "Putin-Versteher"?

von
Willy Wimmer




Die Ukraine-Krise. Mit den USA in die weltpolitische Sackgasse




16. November 2014, 03:01


Wir befinden uns in einem aus vielen Gründen notwendigen
Bündnis mit einer Macht, die seit mehr als einem Jahrzehnt im wahrsten
Sinne des Wortes „um sich schlägt“ und alle Regeln, die uns eine Chance
auf eine friedlichere Welt gegeben hatten, willentlich außer Kraft
gesetzt hat. Es fällt in diesen Tagen besonders auf, in welchem
Maße die deutschen Staatsmedien hinterherhinken. Die abendliche
Meinungskeule ist so pastoral-penetrant wie eh und je, wenn man vor
lauter politischer Korrektheit nicht weiß, wie man im Studio seine Füße
stellen soll. Schaut man sich außerhalb des eigenen Landes um, pfeifen
es die Spatzen von den Dächern. Entweder gelingt es bei den
Atomverhandlungen mit dem Iran, die zwischen dem kommenden 18. und dem
24 November in einen finalen Zustand kommen sollen, die schwelenden
Regionalkonflikte zu entschärfen oder wir müssen uns – ohne eigenes
Zutun – damit abfinden, die Lunte für den nächsten großen Globalkonflikt
glimmen zu sehen.

Dabei gibt es Entwicklungen, die uns näher liegen, und Dinge, die uns
den Konflikt einige Flugstunden entfernt scheinbar „vom Halse halten“.
Auch das Treffen der Pazifik-Anrainer in der chinesischen Hauptstadt
Peking hat deutlich gezeigt, dass eigentlich nicht viel fehlt. Entweder
erhält die Vernunft und der Respekt vor dem Elend, das zu erwarten ist,
eine Chance, oder die Dinge reifen, um ausgekämpft zu werden. Die Welt
hat seit Jahrzehnten nicht eine solche Lage gesehen, wie sie uns am Ende
des Jahres 2014 ins Haus steht.

Wir in Europa und das, was sich zum „Westen“ zählt, sollten dabei
nicht die Erinnerung daran vergessen, in welcher moralischen,
wirtschaftlichen, finanzpolitischen und allgemein-politischen Lage wir
am Ende des Kalten Krieges und der Wiedervereinigung Deutschlands
dagestanden sind. Und heute? Selten ist eine Lage, die es uns erlaubt
hätte, wirksam gegen das Elend in der Welt vorzugehen, so verspielt
worden, wie wir es heute feststellen müssen. Der Westen hat
ausschließlich durch eigene Schuld eine glänzende Ausgangsposition für
jede mögliche Herausforderung über Bord geworfen. Warum? Weil wir uns in
einem aus vielen Gründen notwendigen Bündnis mit einer Macht befinden,
die seit mehr als einem Jahrzehnt im wahrsten Sinne des Wortes „um sich
schlägt“ und alle Regeln, die uns eine Chance auf eine friedlichere Welt
gegeben hatten, willentlich außer Kraft gesetzt hat. Wir waren im
Schlepptau. Heute können wir nur beten, dass uns der Konflikt in der
östlichen Ukraine nicht mehr als nur das nächste Weihnachtsfest
verhagelt.

Es war eben nicht förderlich, dass die Russische Föderation am Ende
des Kalten Krieges und dem Ende der Sowjetunion eine „Feder im Wind“
geworden war, die als Mit-Anker jeder europäischen Stabilitätsordnung
lange Zeit ausgefallen ist. Die in Moskau und wir in Bonn oder Berlin
mussten mit ansehen, wie Washington alles aufrollte, was ihm vor die
Flinte gekommen ist. Der Westen – und wir mit dabei – hat nichts
Konstruktives damit anfangen können, erfolgreich eine Konfrontation in
einer globalen Großregion erfolgreich bestanden zu haben. Und jetzt?
Jetzt nimmt es uns förmlich den Atem, dass die Russische Föderation
wieder auf der weltpolitischen Bühne steht, nachdem sie mit den
völkerrechtswidrigen Kriegen gegen Belgrad, Bagdad, Damaskus und
Tripolis die neue amerikanische Vorgehensweise leidvoll und auch als
gegen sie gerichtet empfinden musste.

Alles spricht derzeit dafür, dass der amerikanisch dominierte Westen
weder mit der russischen Sprachlosigkeit noch der heutigen Rückkehr der
Russischen Föderation als global agierende Macht zurechtkommt. Die
Europäische Union reiht sich in diese Riege natürlich tatkräftig ein,
wie die neue „Außenbeauftragte“ der bereits jetzt über ihren Präsidenten
Juncker aus Washington zielgerichtet krisengeschüttelten EU-Kommission
deutlich macht. Wer, wie Frau Mogherini, bereits in der ersten
öffentlichen Erklärung deutlich macht, die künftige Politik gegenüber
Moskau eng mit der NATO abstimmen zu wollen, der macht doch klar, wie
wenig er zu sagen haben will. Wir tragen doch die Hauptlast der uns
aufgezwungenen Sanktionen.

Frau Mogherini macht keinen Hehl daraus, dass diese von Washington
uns gegenüber erzwungenen Sanktionen keinen Einfluss auf die russische
Führung haben. Ja, warum haben wir diese Sanktionen dann noch? Und warum
haben wir sie denn überhaupt erlassen?

Der Westen kommt mit dem Bild auch nicht länger durch, das mit diesen
Sanktionen der staunenden und zunehmend betroffenen Öffentlichkeit
vorgespielt worden ist. Sollte damit gesagt werden, dass durch Einfluss
auf Moskau und Kiew stabilitätsfördernde Maßnahmen durch den Westen
ergriffen worden sind? Mitnichten, weil jeder in Europa und auf dem
Globus weiß, in welchem Umfang die Sanktionen parteiische Vorgehensweise
gegenüber Moskau im Sinne der westlichen Vorgehensweise in Kiew
darstellen. Im militärischen Bild sind die Sanktionen dem vergleichbar,
was zusätzliche Panzerdivisionen zur Absicherung der eigenen Offensive
gegen ein friedliches Land, der Russischen Föderation nämlich, bewirken
sollen.

Es bedurfte noch nicht einmal der veröffentlichten Telefonate der
amerikanischen Staatssekretärin, Frau Nuland, um die allgemeine
westliche Strategie in der Ukraine zu begreifen. Der Westen hat an
Präsident Janukowitsch und das Oligarchen-Festival in der Ukraine nichts
auszusetzen gehabt, solange er bereit zu sein schien, die
entsprechenden Verträge mit der Europäischen Union zu unterschreiben.
Neue und alte EU-Kommissare haben in den letzten Wochen klar gemacht,
wie fehlerhaft die europäische Politik in diesem Zusammenhang gewesen
sei. Mist eben, wohin man blickt.

Noch in der Nacht nach den Morden von Kiew wurden die mit den
westlichen Hintermännern abgestimmten Brandfackeln in jene Gebiete der
Ukraine geschleudert, die man sich vorgenommen hatte, um gegen Russland
vorgehen zu können. Man war auch nicht zimperlich, sich jener Kräfte zu
bedienen, die in dieser Region die Wirkung einer mittelalterlichen Pest
haben: alter und neuer Nazis. Es ist schon ebenso erstaunlich wie
schändlich, wer in Kiew und bei uns dazu schweigt oder den Einsatz
militärischer Formationen mit diesem Hintergrund an der russischen
Staatsgrenze herunterspielt. Man mag es gar nicht glauben, wer in dieses
Schweigen einbezogen ist.

Eines sollten unsere Regierungen allerdings wissen. Wer ihnen oder
den von ihnen beeinflussten Medien in Zusammenhang mit den ständigen
Meldungen aus dem Konfliktbereich in der Ost-Ukraine noch etwas glaubt,
dem kann man nicht helfen.
Falls Sie hier die Flöhe husten hören:
es könnten Ihre eigenen sein! :D

berlin

Kaiser aller Tiere - gottähnlich

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2

Montag, 17. November 2014, 17:34

Ich bin auch ein Putin-Versteher und finde es beschämend, wie "man" Putin jetzt ausgrenzt. Abseits am Katzentischchen muss er sein Essen einnehmen.

Gut, mit Obama geht es auch zu Ende; aber dann Bush III?

4

Montag, 17. November 2014, 20:17

Hallo, liebe Putin Versteher,


im Laufe einer Putin-Bashing Sendung wurde Putin in etwa so zitiert - es muss aufhören, dass wir immer weiter gucken, wie wir an Gas und Öl noch mehr verdienen. Diese Zeiten sollten vorbei sein. Welch wahres Wort!


Überhaupt vernehme ich von ihm mehr vernünftiges Zeugs, als von all den anderen Clowns. Dafür, dass Russland gerade tüchtig in die Zange genommen wird, reagiert er sehr entspannt. Aber ich möchte nicht wissen, was passiert, wenn diese Bekloppten meinen gegen Russland in den Krieg treten zu müssen. :huh:


Und wenn sich dann auch noch diese Merklin erniedrigt, Putin als Kriegsverbrecher darzustellen, während in Gaza kleine Kinder inhaftiert, gequält und erschossen werden. Da könnte ich ganz viel kotzen.


Dieses Ding ist meine Kanzlerin. Was habe ich im vorigen Leben nur so falsch gemacht? 8|

5

Mittwoch, 3. Dezember 2014, 17:29

Voltaire.net weist darauf hin, dass Putin möglicherweise wegen Morddrohungen vom G-20-Gipfel in Brisbane abgereist sei. Fakt sei, dass Russland einen Kreuzer und Zerstörer vor der australischen Küste platzieren ließ. Angesichts der Äußerung Putins, dass die russische Wirtschaft nicht durch die Dollar-Diktatur dominiert werden würde, und dass sich Russland aufgrund der schmerzhaften Sanktionen auf einen Wirtschaftskrieg vorbereite, verweist Voltaire.net auf die Schicksale von anderen Staatsoberhäuptern, wie Saddam Hussein und Muammar Gaddafi, die ähnliche Manöver versucht hatten.

6

Samstag, 6. Dezember 2014, 09:07

http://www.zeit.de/politik/2014-12/aufruf-russland-dialog

Noch mehr "Putin-Versteher". Oder liegt es ganz einfach daran, dass ich angesichts so manch hier aufgeführter Größe früherer Zeit einfach nur meinem Alter Tribut zolle, wenn ich ebenfalls Verständnis äußere? Die jüngere "Politiker-Generation zu verstehen, fällt mir nun einmal schwer.
Falls Sie hier die Flöhe husten hören:
es könnten Ihre eigenen sein! :D

7

Samstag, 6. Dezember 2014, 15:44

Turm61, das scheint dir nur so. Ich habe auch einen anderen Standpunkt, was den Umgang mit Verantwortung und Pflichterfüllung betrifft, aber solche Leute sind überhaupt nicht gefragt in der Politik. Ich habe mehrmals versucht parteipolitisch ein Zuhause zu finden, weil ich an politischer Arbeit von Herzen interessiert bin. Was ich da schon so mitbekommen durfte, kam mir vor wie ein Kindergarten. Eine Partei bot mir unbedingt ein Ressort an, welches ich aus vernünftigen Gründen ablehnte. Das war egal - mein Konterfei hätte so schön gepasst und das hätte Leute gezogen .... . Damit war ich dann mal weg. Es geht nur um Eitelkeiten - nicht um Vernunft. Es geht um die Partei - nicht um den Staat. Man merkt immer mehr, dass die Quoten stimmen müssen, damit die Parteispenden rund laufen.


Und dann diese Lobbyisten, die überall die Finger mit drin haben. Die schreiben sich ihre eigenen Gesetze, wedeln schon mal mit schönen Posten in der freien Wirtschaft. Da nicht mehr die klügsten und verantwortungsbewussten in die Politik gehen, sondern jene, die sich am besten verkaufen können - durchaus im Sinne von Prostitution - haben wir in der Politik in der Hauptsache diese Schwätzer, die eine Karriere auf der Schleimspur vorantreiben.

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