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Donnerstag, 8. Januar 2015, 23:31

Satire geht immer?

Der Terroranschlag von Paris war ein barbarischer Akt, ein kranker Massenmord. Darüber wer dahinter steckt, gibt es zwei Meinungen. Die allgemeine Meinung schreibt dieses Verbrechen Islamisten zu, eine weitere Meinung lautet, es handele sich um eine False Flag Aktion. Denkbar sind leider beide Versionen.

Aber wer das auch immer zu verantworten hat, die weitere Perversion besteht in der Instrumentalisierung dieses Massakers. Den einen ist es eine Bestätigung ihrer Ressentiments gegenüber dem Islam ansich, Le Pen fordert die Wiedereinführung der Todesstrafe, noch andere sehen die Meinungsfreiheit gefährdet und in den sozialen Netzwerken rollt die „Je suis Charlie“ Welle. Satire soll immer und zu jedem Thema legitim und erträglich sein. Aber soll, muss und kann sie das?

Satire ist eine intellektuelle Auseinandersetzung mit Personen oder Umständen. Auf den ersten Blick wirkt das nicht verwerflich, aber was ist, wenn es immer wieder eine Religion betrifft? Satire arbeitet leider nicht nur mit Fakten, sondern nicht selten auch mit Vorurteilen. In solchen Fällen trägt Satire nicht zur Aufklärung, sondern zu weiteren Ressentiments bei. Das Vertiefen von Vorurteilen löst keine Probleme, sondern schafft neue. So weit es die Massenveröffentlichungen von Islamsatiren betrifft, entsteht so schnell ein Teufelskreis. Radikale Gruppen geben sich beleidigt und kampflustig und schrecken nicht einmal vor Mord zurück, um ihrer Empörung Nachdruck zu verleihen. Die andere Seite pocht auf die Meinungsfreiheit und begreift sich als künstlerische Aufklärer.

Jeder (Extrem)Ismus hat eine Ursache, sei es nun Ausbeutung, Krieg, Vernachlässigung oder einfach nur Bildungsmangel. Wer den Extremismus wählt, hat schon längst verloren, betrachtet seinen Weg aber als alternativlos. Diesen Irrweg will der Satiriker nun mit Bildern oder Wörtern aufdecken oder gar versperren. Aber wird er das schaffen, wenn er stets Öl ins Feuer gießt? Wird er damit etwas an den Ursachen von Extremismus ändern?

Wie gesagt – Satire ist eine intellektuelle Auseinandersetzung mit einer Thematik. Wenn ich mit Ironie hantiere, besteht immer die Gefahr, dass mein Gegenüber dies nicht richtig erfasst. Wie oft das passiert, sehe ich beinahe täglich anhand der Leserreaktionen, die satirische Texte hervorrufen. Satire wird von vielen ganz normal gebildeten Menschen einfach nicht verstanden. Satire hat somit eine Zielgruppe, welche sie versteht und welche sich dann auf Kosten des karikierten amüsiert, sofern das eigene Weltbild bestätigt wird. Für wen ist Satire somit positiv, außer für eine relativ überschaubare Zielgruppe und den Satiriker, der sich über den Zuspruch seiner Fans freut? Kann Satire etwas bewegen, wenn sie für viele Menschen unbegreiflich ist oder gar eine Provokation bedeutet? Satire kann eine sehr spitzfindige und unterhaltsame Kunstform sein – nicht mehr und nicht weniger. Hat sie deshalb das Recht sich über die Befindlichkeiten jener hinweg zu setzen, welche zu einem derartigen intellektuellen Austausch nicht in der Lage sind? Degradiert sich Satire damit nicht zu einer lustvollen, aber nicht weiter sinnvollen Selbstbefriedigung?

Wie viel Sinn macht es nun, eher archaisch strukturierte Menschengruppen mit für sie unverständlicher Satire zu provozieren? Gegenüber Religionen traut man sich das ja, aber gäben diverse Rockergruppen nicht auch ein gutes Ziel ab? Hat schon mal jemand den Mumm gehabt Milieu Themen, wie Menschenhandel, Zuhälterei, Drogen- und Waffenhandel zu karikieren – wohlmöglich als Dauerbeschuss? Nein? Ach.

Ich bin nicht Charlie, denn ich möchte keine Leute sinnlos provozieren – sie noch weiter ins Abseits drängen. Meines Erachtens macht es mehr Sinn die Ursachen des vielfältigen Ismus darzustellen und gemeinsam zu handeln, um die Ursachen zu bekämpfen. Alles andere ist nichts als (versuchte) Symptomunterdrückung, mir der Folge dass es neue Krankheiten verursacht. Das empfinde ich als ausgesprochen unsinnig.

berlin

Kaiser aller Tiere - gottähnlich

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2

Freitag, 9. Januar 2015, 00:15

Zitat

nicht weiter sinnvollen Selbstbefriedigung?

Gut, sinnvoll ist Satire nicht, denn sie ändert nur selten etwas.

Satire ist Kritik und will nachdenklich machen.

Auch Kardinal Meisner ging bei Tünnes in die Luft, aber er brachte keinen um.

Auch ich wurde bei den Stadtmenschen gesperrt und gelöscht - Kritiker sind nie bequem -, aber ich lebe noch.

Fanatiker - aller Art - sind eine Pest! Egal, ob Religion, Fußball, Nazi oder Nichtraucher.

Der Islam ist ein besonders gefährliches Gebiet. "Satanische Verse" oder Dänemark. Das war auch Charlie Hepdo bewusst, immerhin hatten sie Polizeischutz. Da muss etwas schiefgegangen sein. Die Täter waren Justiz und Polizei bekannt und standen unter Beobachtung; auch am Mittwoch? Wer hat da - wie bei NSU - ein Auge zugedrückt?



Spott kann tödlich sein - hier war er es.



Ich erwarte von allen Islam-Oberen eine Erklärung, dass man nicht in den Himmel kommt, wenn man Andersgläubige umbringt. Das muss zum Paragraphen 1 des Islam werden.



Je suis Charlie.

berlin

Kaiser aller Tiere - gottähnlich

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3

Freitag, 9. Januar 2015, 00:37

Zitat

ein kranker Massenmord.

Ich wehre mich gegen den Ausdruck "krank". Die Täter sind so gesund wie Du und ich. Auch Hitler, Stalin, Bush und Breivik waren nicht krank.

4

Freitag, 9. Januar 2015, 01:08

Da entstehen neben dem mangelhaften Polizeischutz noch mehr Fragen.

Wie kann man mit einer Kalaschnikow aus Syrien nach Frankreich einreisen?

Stammen die Waffen wirklich aus Russland? Wer hat sie geliefert?

Was versteht man bei der Polizei unter "Beobachtung"?

Die Täter haben sich verschanzt, man kennt also den Aufenthaltsort. Wie will man ihrer habhaft werden? Will man stürmen und die Täter direktemang ins Paradies befördern?

Ich will gar keine Antworten hören, aber ich hoffe, dass die Polizei diesmal besser überlegt.

berlin

Kaiser aller Tiere - gottähnlich

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5

Freitag, 9. Januar 2015, 02:56

Ich vermute mal, dass im Fall Hepdo eine ganze Menge schiefgelaufen ist.

In der Polizeidirektion: "So was passiert in Afghanistan, Syrien oder Palästina, aber doch nicht bei uns! Also haben sie die 2 "dümmsten" (Dienstanfänger ohne spezielle Ausbildung) Polizisten eingesetzt. Die Zwei haben sich gefreut, weil sie nicht mehr Streife laufen mussten, immer Kaffee und Kuchen bekamen und mit den jungen Mädchen schäkern konnten. Ein Traumjob!

Und die 3 (drei, nicht zwei) Attentäter marschieren mit der Kalaschnikow auf der Schulter quer durch Paris, lassen sich - immer noch die Kalaschnikow auf der Schulter - vom Pförtner ("Wer sind denn hier die wichtigsten Figuren?") den Weg zu den betreffenden Zimmern erklären, erschießen zuerst den Polizeischutz und knöpfen sich dann in aller Gemütsruhe die Hauptpersonen vor. Die Schüsse hat keiner gehört. Wer nicht tot war, hat weitergearbeitet. Dann haben sich die Attentäter beim Pförtner bedankt und sich ein Taxi rufen lassen.

Woher wussten die Attentäter denn überhaupt, wen sie erschießen mussten? "Zimmer 327, 3. Stock, den Gang links, Name steht an der Tür." Haben die Attentäter von der Chefsekretärin sofort einen Termin beim Chef bekommen?



Ja? War es so???



So was wäre bei uns im Amt nicht möglich gewesen. Ohne Dienstausweis wäre keiner am Pförtner vorbeigekommen. Besucher wurden abgeholt.



Wenn ich noch mal auf die Welt komme, werde ich Journalist, Fantasie habe ich genug.

6

Freitag, 9. Januar 2015, 11:51

Hallo, Struppi, zunächst trotz der traurigen Ereignisse alles Gute für 2015.

Dein Denkanstoß trifft präzis deutsche Befindlichkeiten - und da kam mir vorgestern Abend ein nachdenklich stimmender Beitrag von
Professor Adorján F. Kovács
gerade recht:




Nous sommes tous Charlie? Kommt das Ende der Illusionen?


07. Januar 2015, 09:52

Nach dem entsetzlichen Massaker an Journalisten des
französischen Satiremagazins “Charlie Hebdo” und Polizisten könnten
diejenigen, die zwar immer dann lautstark von Pressefreiheit reden, wenn
sie sich und ihre Ansichten meinen, aber in Wirklichkeit sowohl die
Meinungsfreiheit (durch PC) als auch die Versammlungsfreiheit (von
Pegida) angreifen, wo sie nur können, Flagge zeigen. Morgen müssten die
Titelseiten aller Tageszeitungen von gewissen Karikaturen geziert sein.
Aus Solidarität mit wahrhaft mutigen Kollegen, Märtyrern ihres
Berufs. Ich bin ziemlich sicher, das wird nicht geschehen, denn es
könnte doch so “intolerant” aussehen. Nützt es da etwas, wenn “das Netz”
sich über Twitter virtuell und unverbindlich solidarisiert? Von wegen:
“Nous sommes Charlie…” Doch hat dieser französische Hashtag eine andere
Qualität als der lächerliche deutsche “Aufschrei” nach ”Dirndl-Gate”: Es
geht um richtiges Blut. Kommt das Ende der Illusionen?


Mir schrieb gerade ein Freund aus Paris, dass “das Gräuel von Charlie
Hebdo 100 bis 200.000 Exemplare mehr von Houellebecqs
´Soumission´[Unterwerfung] verkaufen lässt und das wird den Leuten
bewusst machen, was der Islam wirklich ist. Ach, das ist teuer
bezahlt!” Furchtbar wahr. Was in Frankreich also geschehen, ob man sich
dort dem Problem stellen wird, kann ich nicht genau sagen. Hierzulande
wird schon wieder beschwichtigt, man dürfe jetzt nicht emotional werden.
Es wird alles nur zerredet werden, da bin ich sicher. Warum?


Es liegt in Deutschland eine gesellschaftliche Fehllage vor: Gegen
Frauenquoten vorzugehen bedeutet in der Öffentlichkeit, sich gegen die
Gleichberechtigung der Frau zu wenden. Das ist in etwa zu vergleichen
mit dem Dilemma, für Ausländer, aber gegen Asyl- und
Unterhaltsmissbrauch zu sein. Wer bestimmte Inhalte des Islam für
verfassungsfeindlich hält, ist angeblich gegen Muslime an sich. Der
Emotionalitätsvorwurf ist dabei nur unverschämt: Fakten und Argumente
werden denunziert. Die gefährliche Fehllage besteht
darin, dass bei bestimmten Themen jede Differenzierung bereits mit einem
Intoleranzverdacht belegt ist
. Das lähmt diese Gesellschaft.


Nun werden die meisten Themen in der deutschen Presselandschaft
durchaus kontrovers diskutiert, aber eben nicht alle. Manche Themen,
darunter sehr wichtige, werden “scheinkontrovers” behandelt. Es wird von
vorneherein nur eine Meinung akzeptiert. Es kann nur eine geben, weil
eine andere nicht sein darf. Nicht einmal teilweise darf im Ergebnis von
der “Linie” abgewichen, sie muss im Gegenteil 100%-ig verfolgt werden.
Wenn nicht, ist man angeblich intolerant, obwohl man nur differenziert
hat. Weil die Behandlung dieser Tabuthemen so undifferenziert ist,
kollidiert sie mit der Realität. Es handelt sich also um Illusionen. Wer
Illusionen nachhängt, wird Probleme nicht lösen können.


PS: Am Morgen nach dem Attentat sehe ich, dass ausgerechnet die „taz“
sich besonders große Sorgen macht, weiterhin angstfrei ihre
journalistische Arbeit machen zu können. Nun, sie gehört zu denen, die
Illusionen verbreiten. Sie muß sich wirklich keine Sorgen machen.
Falls Sie hier die Flöhe husten hören:
es könnten Ihre eigenen sein! :D

berlin

Kaiser aller Tiere - gottähnlich

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7

Freitag, 9. Januar 2015, 23:15

Der Mord in Paris

der mutmaßliche Tathergang



Ich lag mit meinen wilden (zugegeben) Vermutungen gar nicht so falsch. Die Täter kamen im nebensächlichen Archiv an und ließen sich den Weg erklären. Dann zwangen sie eine Mitarbeiterin den Türcode einzutippen und landeten mitten in der Redaktionskonferenz, wo alle versammelt waren. Für die Täter praktisch, sie brauchten nicht weiter zu suchen.

Hätte die Mitarbeiterin die Heldin spielen sollen? Hätte ein Schuss die anderen alarmiert?

Merkwürdig ist allerdings, dass die Täter die Anwesenden einzeln nach dem Namen fragten und dann einzeln hinrichteten. Der bewaffnete Personenschutz hat nicht eingegriffen.

Merkwürdig ist an diesem angeblichen Tathergang vieles. Aber Bessres habe ich nicht anzubieten.

Allen musste doch angesichts der Kalaschnikows und "Allah Akbar" klar sein, was kommt. Aber wer ist schon Held?

8

Samstag, 10. Januar 2015, 00:21

was ist erlaubt

Es gibt kein Recht auf Terror!

Mord, Meinungsfreiheit, Persönlichkeitsrechte und die Funktion von Staat und Gesellschaft. Keine Satire!
Ja, Terror und Mord ist immer als solcher zu bezeichnen und in der Regel durch nichts zu rechtfertigen. Ja, Presse- und Meinungsfreiheit sind wichtige Errungenschaften freiheitlich demokratischer Gesellschaften und besonders zu schützen. Ja, die Satire ist ein Mittel, um mit Witz und Übertreibung zu kritisierende Dinge oder Missstände ins Blickfeld zu rücken. Ja, es gibt nicht nur muslimisch geprägten oder zu begründen gesuchten Fundamentalismus, auch wenn dieser zurzeit wesentlich offenkundiger ist und Jahr für Jahr zigtausenden Menschen weltweit Vertreibung, Verschleppung oder den Tod bringt.


Ja, „die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt“, so steht es in unserem Grundgesetz und wird in ähnlicher Weise – wenigstens per Deklaration – in fast allen Staaten auch als schutzwürdig betrachtet. Ja, die freie Religionsausübung ist ein hohes Gut und wird ebenfalls durch wirklich demokratische Verfassungen geschützt. Aber es ist auch die Aufgabe jeder religiösen oder sonst wie weltanschaulich geprägten Gruppierung darauf zu achten, dass verwerfliches Handeln oder gar Gewaltaktionen nicht als Ausdruck der Religions-Ideale dargestellt werden dürfen, ob durch korrigierende Richtungsverdeutlichungen, engagierte Stoppaktionen oder wenigstens per offenkundiger Distanzierung.

Aber was gilt, wenn sich Personen oder Religionsgemeinschaften in ihrer Würde verletzt sehen, weil andere per Satire oder Agitation von ihrem – vielleicht scheinbaren – Recht auf freie Meinungsäußerung unangemessen gebrauch machen? Welches Recht zählt, wenn Grundrechte in Widerstreit geraten? Für solche Fälle existiert ein uralter und gleichzeitig hochaktueller gut nachvollziehbarer Grundsatz: Mein Recht – beispielsweise auf freie Meinungsäußerung – wird immer durch die Rechte anderer begrenzt. Dazu hat uns Immanuel Kant mit dem kategorische Imperativ eine unmissverständliche rechtlich-ethische Botschaft hinterlassen: „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“ Volkstümlicher und etwas leichter zu verstehen heißt es: ‚Was du nicht willst, das man dir tut, das füg auch keinem anderen zu’.

Auch die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der UN von 1948 fordert weltweit „die Anerkennung der angeborenen Würde und der gleichen und unveräußerlichen Rechte aller Mitglieder der Gemeinschaft der Menschen die Grundlage von Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden in der Welt“ ein. Dieser erste Satz der Präambel wird auch damit begründet, „da es notwendig ist, die Menschenrechte durch die Herrschaft des Rechtes zu schützen, damit der Mensch nicht gezwungen wird, als letztes Mittel zum Aufstand gegen Tyrannei und Unterdrückung zu greifen.“ Demnach hat der Staat mit alle seinen gesellschaftlichen Kräften und jedem Bürger tunlichst darauf zu achten, dass die nachfolgen Rechte dieses Basis-Grundrecht nicht verletzen dürfen, weil sonst auch – ob durch Handeln oder Unterlassen – eventuell Beihilfe zum Terror geleistet würde.

Demnach hat jeder Mensch, erst Recht in der Öffentlichkeit agierende Personen oder Medien-Redaktionen darauf zu achten, ob durch Texte, Fotos oder Zeichnungen andere in ihren persönlichen Rechten beeinträchtigt werden oder sich so fühlen könnten. Allen Versuchen, durch Aufmerksamkeit erregen sollenden Schwach-Sinn oder das hoch peitschen wollen von Umsatzzahlen nun mit dem Recht auf freie Meinungsäußerung begründen zu wollen, fehlt somit die Basis. Denn nicht nur Kalaschnikow-Geschosse, sondern auch Worte und Bilder können schwer verletzen. Nur in der Folge einer gewissenhaften Güterabwägung, z.B. weil eine wichtige Nachricht dem Gemeinwohl dient oder sie von beträchtlichem öffentlichen Interesse ist, dürfte ein Recht situativ ein anderes Grundrecht relativieren, was im Streitfall per Gericht zu klären wäre. Insofern habe auch Muslime das Recht, Verstöße gegen Grundrechte anzuklagen. Eine Selbstjustiz per Maschinengewehr gehört keinesfalls dazu.

Auch ist zu fragen, ob nun alles, was uns als Satire zu verkaufen gesucht wird, überhaupt eine Satire ist und ob es dabei um eine wichtige Botschaft geht. Ergänzend wäre es notwendig, viel öfter eine geplante Handlung aus der Sicht des Betroffen zu sehen. Denn die meisten Menschen oder Institutionen scheinen viel kräftiger Kritik oder Häme austeilen als einstecken zu können. So stellt sich z.B. unter dem Aspekt ‚satirischer Film’ die aktuelle Frage, wie beispielsweise der Präsident der USA oder die König von England – bzw. das sie umgebende Rechts- und Schutzsystem – reagieren würden, wenn ein Film in die Kinos käme, dessen Höhepunkt die Ermordung dieser – ihnen auch noch sehr ähnlich aussehende – Personen wäre. Ob sie entspann und humorvoll auf diesen als Satire deklarierten Spaß reagieren würden und Filmproduzenten und Kinos offensiv auffordern würden, den Film auf keinen Fall unter Verschluss halten zu sollen? Denn auch hier – beim Film „The Interview“ über die gezielte Tötung von Nordkoreas Staats-Chef – wurde diese Aktion lautstark mit künstlerischer Freiheit und freier Meinungsäußerung begründet und sogar von höchsten politischen Stellen die Vorführung des Films verteidigt bzw. eingefordert.

Selbst wenn jemand ohne Not das Recht in Anspruch nehmen möchte, Dinge überzeichnet und offensichtlich angreifend auf den Punkt zu bringen, jeder hat auch immer die Freiheit, störende Attacken zu Lasten anderer zu lassen. Denn wenn die Menschen etwas mehr Empathiefähigkeit besitzen würden, sich selbst nicht ständig als Maßstab für andere sähen, sie in größerem Umfang mit sich selbst in Frieden leben könnten und sie sich wirkungsvoller einer Gier nach Aufmerksamkeit, Geld und Macht widersetzten, ja – dann würde die Würde des Menschen wesentlich besser geschützt. Voltaire, der große französische Philosoph der Aufklärung hinterließ allen verantwortungsbereiten Menschen bei Auffassungs-Differenzen folgende Handlungsmaxime: „Ich teile Ihre Meinung nicht, ich werde aber bis zu meinem letzten Atemzug kämpfen, dass Sie Ihre Meinung frei äußern können.“ Gerade für den Umgang mit verschiedenen Kulturen und religiösen Auffassungen trifft zu, dass fr emder Überzeugungen, Handlungsweisen und Sitten ein beträchtliches Maß an Duldsamkeit und gegenseitigem Gelten-Lassen erforderlich machen, um sich in gegenseitiger Achtung nicht zu überfordern.

Vielleicht ist das alles auch gar keine Frage von Recht und Unrecht, sondern eine Frage von eingesetzter oder ausgeschalteter Verantwortung. Der ethische Denkansatz: ‚Nimm Kant in die Hand und nutze deinen Verstand’ (falls umfangreich genug vorhanden), könnte hier kleine Wunder wirken. Orientieren sich jedoch Menschen oder Medienorgane, wie z.B. das Magazin Charlie Hebdo an der Strategie: „Satire, Skandale und gerne auch Blasphemie“ (so die Überschrift der RP vom 8.1.2015), dann bewegen sich die dort Agierenden jedenfalls bewusst in einem äußerst konfliktträchtigen Terrain. Das heißt, die Handelnden müssten mindestens die Offenheit zur Selbstkritik und Selbstkorrektur einbringen, die Anderen per Agitation ungefragt zugemutet wird. Redaktionsleiter Charbonier verwahrte sich gegen den Vorwurf, islamfeindlich zu sein. Er begründet dies damit, dass ja auch niemand Notiz nehmen, wenn man die Katholische Kirche lächerlich mache. „Aber’, so führte er weiter aus, „wir dürfen uns keinen Spaß mit den muslimischen Hardlinern erlauben. Das ist eine neue Regel. Aber wir werden uns nicht daran halten.“ – Spaß daran zu haben, dass was anderen wichtig oder gar heilig ist, dass sollte jedenfalls nicht vorschnell mit Presse- oder Meinungs-Freiheit in Verbindung gebracht werden. Solche Bestrebungen sind eher ein Ausdruck von Verantwortungslosigkeit oder Dekadenz. Nach Tucholsky ist der echte Satiriker meist ein gekränkter oder negativ denkender Idealist. Er stelle fest: ‚Eigentlich geht es ihm um die bessere Welt’. In diesem Sinne hätte auch die Satire eine Renaissance verdient.

Ja, wir brauchen ich-starke Politiker, Medienverantwortliche und Gerichte, die sich offensiver für die Werte unserer christlich abendländischen Kultur einsetzen und ihr Handeln nicht an irgendeinem Mainstream oder populistischen Positionen ausrichten. Ja, wir brauchen ein bereites Verständnis dafür, dass Gewalt-Attacken nicht wichtige Klärungs-Prozesse ersetzten dürfen. Ja, es wird trotze alle Konsens-Bemühungen immer noch etliche Radikale geben, welche anstelle von Verständigung auf Terror setzen. Aber durch eine umsichtigere und selbstkritischere Auseinandersetzung mit offenkundigen Missständen und den Botschaften von breiten Protestbewegungen würden den Radikalen der Boden zur Instrumentalisierung von Sympathisanten entzogen.

Copyright: Dr. Albert Wunsch, 41470 Neuss, Im Hawisch 17

(TV-orange)

cornelius

unregistriert

9

Samstag, 10. Januar 2015, 01:26

Was haben die Attentäter eigentlich für eine Nationalität? Sind es Franzosen oder Syrer? Was haben sie bisher in Frankreich oder Syrien beruflich gemacht?



Wenn sie unter Beobachtung standen, muss das doch alles bekannt sein.



Und wie haben sie sich in der Redaktion verständigt?



Ich habe das Gefühl, keiner weiß überhaupt etwas.

Hat man sie inzwischen überwältigt? Lebendig?

berlin

Kaiser aller Tiere - gottähnlich

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10

Samstag, 10. Januar 2015, 01:44

Dramatische Entwicklungen in Frankreich: Nach dem Attentat auf die Redaktion von „Charlie Hebdo“ kommt es zu einer Verfolgungsjagd. Bei zwei anschließenden Geiselnahmen tötet die französische Polizei drei mutmaßliche Terroristen. Doch auch Geiseln kommen ums Leben. (KStA)

Das habe ich befürchtet. Plumpes Vorgehen der Polizei nach Methode 08/15. jetzt haben die Terroristen ihr Ziel erreicht, sind im Himmel und singen Lujah auf Arabisch.

Wie 1972 in München. Aber damals war man im Umgang mit Terroristen noch unerfahren.

Man hätte - wie Putin - Betäubungsgas einsetzen müssen.

Nun wird keiner mehr zur Verantwortung gezogen.


Je suis Charlie und unendlich traurig.

berlin

Kaiser aller Tiere - gottähnlich

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11

Sonntag, 11. Januar 2015, 08:25

Zitat agrippinensis im Blögchen:

Zum letzten Freitagsgebet in der Ehrenfelder Zentralmoschee haben Kölner Muslime eine klare Verurteilung der fanatisierten Pariser Attentäter ausgesprochen. Sie haben sich deutlich von jeglicher Gewalt im Namen ihrer Religion distanziert, haben ihr Mitgefühl für die Opfer und deren Angehörige ausgedrückt und als äußeres Zeichen Luftballons in den französischen Nationalfarben aufsteigen lassen.

Alles wischiwaschi.

Mir würde es genügen, wenn die Prediger klar erklärten, dass niemand in den Himmel kommt, der einen Andersgläubigen quält oder tötet.



Um diese Aussage drückt sich aber jeder herum.

12

Sonntag, 11. Januar 2015, 09:17

Der Islam wird als Friedliche Religion gelebt, als auch als Deckmantel für Greueltaten genutzt.
Dies ist in allen Religionen der Welt so.
Dazu kommt die Tatsache das es nicht verwunderlich ist, wenn man Kriege in der Welt führt, und ein Teil der Gewalt auf das Land zurück fällt von dem der Krieg ausgeht. Heutzutage finden Kriege nicht mehr im eigenen, sondern in fremden Ländern statt. Daran haben sich die Bürger gewöhnt und so kann ich die verwunderung darüber auch nachvollziehen.
Aber statt den Islam zum Handeln aufzufordern, sollte man vor der eigenen Haustür kehren und sich fragen, was einen derartigen Angriff provoziert hat...
...sich fragen was Menschen so weit treibt ihr eigenes Leben im Namen irgendeiner Sache wegzuwerfen.
... sich fragen was die Jugend in einem 1. Welt-Land in die Arme von Fehlgeleiteten Extremisten treibt.

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