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Sonntag, 3. Mai 2015, 18:52

Ein Meisterstück des "Sozialen"

Sie haben Lust auf Torte und fahren zum Bäcker. Dort sehen Sie ein supertolles Stück Erdbeerkuchen. Das wollen Sie. Der Bäcker verneint: leider habe das jemand zwar bestellt, dem habe es aber nicht gefallen, die Erdbeeren waren ihm zu gross. Er dürfte es Ihnen leider nicht mehr verkaufen. Traurig fragen Sie, was Sie tun können, Sie hätten doch so sehr Lust auf Kuchen. Der Bäcker erklärt, er müsse Ihnen erst eine Torte backen, denn auch auf Vorrat dürfe er keine mehr anfertigen. Artig bestellen Sie also Ihr Stück Torte und möchten noch Nüsse dazu. Eine Dame steht hinter Ihnen und bekommt auch Lust auf diese Torte. Da Sie, ebenso wie die Dame, aber jeweils nur ein Stück wollen, bestellt sie ebenfalls ein Stück. Das, so erklärt der Bäcker, ginge leider nicht. Er müsse erst Ihnen eine Torte backen, bevor er der Dame eine völlig andere Torte backen müsse. Denn zwei Mal die gleiche Torte in einem Abwasch - so etwas ist verboten. Völlig irritiert fahren Sie nach Hause, lechzen nach Torte und warten auf den Bäcker. Stunden später ruft er an: die Torte ist fertig. Freudig erregt fahren Sie los. Der Magen knurrt, doch dann das: Mandeln! Er hat Mandeln auf die Torte gepackt und darauf sind Sie doch allergisch! Der Bäcker wirft die Torte weg, während die zweite Kundin völlig entnervt die Bäckerei verlässt und schwört, ab sofort zu fasten. Konsterniert fahren Sie wieder nach Hause und warten erneut auf die Torte. Glücklicherweise haben Sie dem Bäcker noch immer nichts zahlen müssen, während der Bäcker die 36. Torte am Tag wegwirft. Als er drei Stunden später anruft - diesmal mit einer Erdbeertorte mit Macadamia-Nüssen und Sahne - haben Sie sich längst ein Spiegelei gemacht und keinen Hunger mehr. Der Bäcker wirft auch diese Torte weg, schließt seinen Laden für immer ab, tritt frustiert den fassungslosen Hund, legt sich schlafen und schwört sich: im nächsten Leben werde ich Politiker: da kann ich jeden Mist ungestraft machen.


Wie - das klingt blödsinnig, absurd, von einem anderen Stern? Hat der Verfasser etwa zu tief ins Glas geschaut?

Nein. Während ich diesen Thread verfasse, gönne ich mir zwar ein Reissdorf Kölsch, bin jedoch Herr meiner Sinne: was hier in Blau hinterlegt ist, habe ich dem Beitrag einer Stuttgarter Kollegin entnommen, in dem sie plastisch darstellt, was das sog. "Bestellerprinzip" in der Praxis für uns Immobilienmakler bedeutet.

Ich weiß: die Branche genießt keinen guten Ruf. In Unkenntnis des tatsächlichen Aufgabenspektrums und eben der Tatsache, dass ein Interessent zumeist nur das Öffnen einer Tür und eine - je nach Immobilie - 10-45-minütige Führung registriert, für die er in der Folge (wohlgemerkt: nur dann, wenn er denn auch einen Mietvertrag abschließt!) eine fette Rechnung erhält, kann ich das bei Licht betrachtet nicht einmal übel nehmen. So sind denn denn auch - zumal in den "sozialen Netzwerken" - die Jubelschreie unüberhörbar, dass es ab dem 1. Juni 2015 den "Parasiten" endlich an den Kragen geht.

Aber was hat das mit der Überschrift zu tun? Sollte es nicht um "Soziales" gehen?

Die Gesetzesnovellierung bringt mit sich, dass der "Besteller" die Rechnung des Maklers erhält. Es würde zu weit führen, hier den Widerspruch zum deutschen Vertragsrecht aufzuzeigen, was eindeutig (und noch im Mai 2012 vom BGH bestätigt) Denjenigen zum "Besteller" macht, der eine angebotene Leistung oder ein angebotenes Produkt aufruft - und das ist nun einmal der Kunde, nicht etwa der Anbieter einer Ware oder Leistung! Hier geht man nun davon aus, dass es zumeist der Eigentümer einer Immobilie sei, der den Makler "beauftragt" (das lassen wir mal der Einfachheit halber so stehen), also "bestellt". Und ja, es ist nun einmal so, dass ein Eigentümer einen bestehenden oder zu erwartenden Leerstand meldet und uns um Vermittlung eines neuen Mieters (der Verkaufsgeschäft ist nicht betroffen) angeht. Soll er doch auch die Kosten tragen!

Richtig? Nun ja, im Grunde nicht grundsätzlich zu verneinen. Wo sonst ist es schon üblich, die Vertreibsleistung gesondert zu berechnen? DAS, genau DAS, ist das Problem: es will dem Publikum nicht in den Kopf, dass es zukünftig unsere Leistung weiterhin bezahlt - eben in Form einer höheren Miete, die denn nun auch die Mietinteressenten betrifft, die bislang noch auf das offenkundige Zauberwort "Provisionsfrei" anspringen konnten.

Das wäre ja nun aber alles halb so schlimm. Denn selbstveständlich könnten wir auch (weiterhin) Auftragnehmer eines Mietinteressenten sein. Der Gesetzestext ist jedoch so abgefasst, dass wir diesem Interessenten nicht etwa Immobilien (provisionspflichtig) anbieten dürfen, deren Existenz uns schon vor der Beauftragung bekannt war. "Häääh??" mag nun der Eine oder die Andere denken - aber es ist nun einmal so! Punktum! Und damit schließt sich der Kreis zu dem eingangs beschriebenen Beispiel des Bäckers mit dem Erdbeerkuchen.

Aber "sozial" hat doch damit nichts zu tun! Oder?

Tja, auch hier steckt der Teufel im Detail. Und eben diese Stuttgarter Kollegin hat mir da etwas vor Augen geführt, was mir in seiner Banalität glatt entgangen war.


Denn
- wenn auch in meinem Fall nicht allzu häufig - war es bislang gängige Prais der Sozialbehörden, ihren Schützlingen dergestalt unter die Arme zu greifen, dass man uns im Falle der Vermittlung eines provisionspflichtigen Wohnraumangebots mit dem sog. "Maklerschein" die Übernahme unserer Rechnung zusicherte. Was natürlich in den meisten Fällen erforderte, dass wir mit dem betroffenen Eigentümer im Sinne der Bewerber verhandeln mussten, denn der Eigentümer stellt sich nicht unbedingt Sozialhilfeempfänger (i. w. S.) als Parademieter vor.

Damit wird nun am dem 1. Juni 2015 Schluss sein. Denn die Tatsache, dass ich nun ein neu akquiriertes Wohnraumangebot nur noch dem einen einzigen Menschen anbieten kann, der mich genau danach auf die Suche geschickt hat, in Verbindung mit der gängigen Erfahrung, dass ein Interessent im Durchschnitt 8 Wohnraumangebote in Augenschein nimmt, bevor er sich für eine neue Bleibe entscheidet, wird dazu führen, dass ich Suchaufträge nicht mehr durchführen werde. Es rechnet sich einfach nicht.

Mein Portfolio wird zukünftig nur noch Immobilien von Anbietern beinhalten, die meine zu erwartende Rechnung schon in die Mietpreisforderung einkalkuliert haben. Und damit werde ich es nur noch mit Bestandsimmobilien zu tun haben, für deren Vermittlung ich einem Interessenten keine Rechnung mehr stellen darf. So will es das Gesetz!

Und damit fallen nun auch - grundsätzlich! - all diejenigen Interessenten durch das Raster, für die "das Amt" bislang den sog. "Maklerschein" auszustellen bereit war - zumeist die Schwächsten unserer Gesellschaft.

Ob man sich in Berlin dieser Tatsache bewusst war oder ist?

Wohl kaum. Da spricht man von einem "guten Tag für die Mieter". Na ja - es ist ja nun nicht der erste Mal und keineswegs überraschend, dass eine soziale Wohltat in letzter Konsequenz gerade Diejenigen belastet, denen zu helfen man ursprünglich angetreten ist.

Der "Vater des Wirtschaftswunders", Ludwig Erhard, sagte einmal, eine Wirtschaft sei umso sozialer, je freier sie sei.

Seit seinem Abtreten haben sich Steuern und Abgaben in der Bundesrepublik verzwanzigfacht (das ist nicht einfach ins Blaue geschrieben, sondern nachweisbar!). Und es ging doch darum, dss man "sozial" und "gerecht" sein wollte.

Ging es jedoch in der Bundesrepublik jemals unsozialer und ungerechter vor als heute? Und ab dem 1. Juni 2015 hat man nun einen weiteren Mosikstein in den Abbau der sozialen Marktwirtschaft eingefügt. Nein, bewusst ist man sich Dessen nicht! Man hat ja nur die besten Absichten!

Wie seit dem Abtreten Ludwig Erhards. Der Erfolg dieses sozialen Gerechtigkeitswahns spricht Bände! Denn wer hat mehr unter der erdrückenden Abgabenlast zu leiden als gerade die "sozial Schwachen"?
Falls Sie hier die Flöhe husten hören:
es könnten Ihre eigenen sein! :D

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Turm 61« (4. Mai 2015, 16:17)


berlin

Kaiser aller Tiere - gottähnlich

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2

Montag, 4. Mai 2015, 10:40

Ich lese gerade die 3 dünnen Büchlein "Alltag in der DDR".

Da war auch alles geregelt, sogar die persönliche Freiheit. Das Kollektiv entschied, was ich gern tun würde.

Ich glaube noch nicht mal, dass es am Sozialismus lag, es lag an den Menschen. Manche könne es, andere nicht.

Wer wird denn in die Parlamente gewählt? Hausfrauen, Lehrer, Gewerkschafter ... Und die entscheiden über die juristische Formulierung.

3

Montag, 4. Mai 2015, 10:47

"Gut gemeint" ist nicht immer "gut gemacht".

Ich ließe auch keine Hausfrau eine Blinddarmoperation durchführen.

Blogger Taxi setzte sich für die Monarchie ein, weil die das Regieren gelernt haben.

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